J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien

österreichischer Postämter und Postkuriere bedienen und die italienische Aus­landkorrespondenz lag in Österreichs Händen3). Da machte Metternichs Verzicht auf das römische Postamt, das ihm Con- salvi nach verzweifelter Gegenwehr im Juni 1815 — just am Tage der kaiser­lichen Approbation der Vorschläge des Grafen Mercy — abrang, den Plan vorzeitig zunichte. Nun hatte allerdings Metternich seinen Verzicht an die Voraussetzung geknüpft, daß auch die übrigen Mächte ihre römischen Post­ämter aufgeben würden. Aber keine wollte aus Rom weichen. Lebzeltern, der Vertreter Österreichs, der der Kurie das altvenezianische Postamt schon aufgenötigt zu haben glaubte, machte Postpolitik auf eigene Faust: ohne wesentliche Kompensationen auf anderen Gebieten wollte er das Postamt nicht aus den Händen lassen4). Ja er scheute sich nicht, den schon ins Wanken geratenen Postkurs wieder zu stabilisieren. Ebensowenig wollte Frankreich trotz der Schwierigkeiten, auf die seine Postkuriere in Sardinien stießen5 6), auf seine Postrechte verzichten. Neapel suchte sich der Postsperre teils auf Umwegen, teils durch die Entsendung außerordentlicher Kuriere (S. 33 f.) zu entziehen. Allein sein römisches Postamt wurde im Oktober 1816 — ein Jahr nach dem österreichischen — gleichfalls geschlossene). Besser schnitt Spanien ab, dessen königliche Familie damals in Rom weilte. Ein Postvertrag gestand Spanien gegen die Einstellung seines römischen Postamtes (Juli 1816) außerordentliche Postkuriere zwischen Madrid und Rom zu. Man eröffnete zwar ihre Felleisen an der Grenze und übergab die private Korrespondenz der römischen Post; was ließ sich aber nicht alles, wenn man wollte, unter die Korrespondenz des Hofes und der Gesandtschaft mischen!7). Zuletzt hat Frankreich auf sein römisches Postbüro verzichtet (November 1816) und da­mit die Kurie wieder in den vollen Besitz ihrer Postsouveränität gebracht. Als endgültig hat keine dieser Mächte ihren Verzicht aufgefaßt. Sie hüteten sich vor bindenden Erklärungen und hielten sich, von Mißtrauen gegeneinan­der erfüllt, bereit, bei nächster Gelegenheit — etwa beim Tode Papst Pius’ VII. — wieder zuzugreifen8). Die Kompensationen, die Lebzeltern mit der Preisgabe des römischen Postamtes verknüpfen zu können hoffte, bezogen sich vor allem auf den Postvertrag, den Lilien mit der römischen Kurie abzuschließen hatte. Ihn von der Wichtigkeit dieser Gegenforderungen zu überzeugen, mag Lebzeltern, als Lilien im Juli 1815 in Rom ein traf, nicht schwer gefallen sein. Sofort eröff­nete dieser mit Altieri, dem Oberintendanten der römischen Posten, die Ver­handlungen. Altieris Unverstand und Schwäche schienen ihm ein trefflicher Kontrast gegenüber der Sachkenntnis und der Energie zu sein, die ihm selbst zu eigen waren. Bald hatte er ihn für einen Geheimvertrag gewonnen, der sich gegen die fremden Postkuriere wandte, und diesem — als päpstliche Gegenleistung — den Entwurf einer Generalkonvention angeschlossen, der die gesamte Auslandkorrespondenz des Kirchenstaates an Österreich auslieferte. Schon war der Text dieser Verträge festgesetzt. Da verwarf ihn Consalvi und Lilien mußte nun mit ihm selbst verhandeln. 3) Vortrag 15 IV 28 Vorträge 291. *) Berichte Lebzelterns 15 V 2, VII 29 Rom 7. 5) J. R i n i e r i, Corrisp. 258 f. 6) Bericht aus Neapel 16 X 18 Neapel 77. 7) Bericht aus Rom 16 XI 5 Rom 10. 8) Bericht aus Rom 17 XII 21 Rom 13. 60

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