J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)
II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien
1781 neu geregelte Postverbindung zwischen der Lombardei und Rom, die Modena, Bologna und Florenz passierte und von den Transitländern entweder ausschließlich oder doch zum guten Teile benützt wurde. Auch unterhielt Österreich in mehreren Städten des italienischen Auslandes eigene Postämter, die im Verein mit der von österreichischen Postkurieren befahrenen nordsüdlichen Hauptpostlinie den Auslandpostverkehr der Halbinsel vermittelten. Nicht ohne Wettbewerb allerdings von Seiten Frankreichs, Spaniens und Portugals sowie Sardiniens, Toskanas und Neapels, die im Mittelpunkte des Landes, in Rom, selbständige Postämter unterhielten. Österreich verfügte dort über ein lombardisches, den Thurn und Taxis 1755 abgelöstes Postamt, dem sich 1797 das venezianische zugesellte. Auch Bayern hat sich — allerdings ohne Erfolg — ein römisches Postamt einzurichten versucht. Dem hat das Zeitalter Napoleons ein Ende bereitet. Sein Herrschaftsbereich duldete weder fremde Postkurse noch fremde Postämter. Nach seinem Sturze aber griff Österreich sogleich wieder auf seine das Land durchquerende Hauptpostlinie und seine römischen Postämter zurück, die es für so ehrenvoll und politisch und finanziell für so wichtig hielt, daß es nur darüber im Zweifel war, ob es beide oder nur noch eines und welches davon wieder eröffnen sollte. In der Tat war das altvenezianische Postamt in Rom schon im Mai 1814 wieder in Gang gebracht. Bald darauf eröffneten auch Neapel, Spanien und Frankreich — Toskana, Sardinien und Portugal hatten inzwischen endgültig davon Abstand genommen — aufs neue die Tore ihrer römischen Postanstalten. Das mißfiel aber der Kurie nicht minder wie dem österreichischen Botschafter. Jene wollte sie samt und sonders aufheben, zumal — um ihres bösen Beispieles willen — die österreichischen Postämter, dieser war zwar bezüglich der fremden Postämter der gleichen Meinung, gab auch das altlombardische preis, hielt aber dafür an dem altvenezianischen um so entschiedener fest1). Darüber entbrannte ein heftiger Kleinkrieg an mehreren Fronten. Consalvi, der Kardinal-Staatssekretär, wandte sich beschwerdeführend nach Paris und Wien und schnitt zugleich dem neapolitanischen Postkurier den Zugang nach Rom ab 2). Nur Spanien ließ er aus dem Spiele. Und je genauer sich die österreichischen Postkuriere an den alten Brauch ihrer venezianischen Vorgänger hielten, um so mehr suchte ihnen Consalvi durch allerlei Schikanen, zumal unter dem Vorwände des Warenschmuggels, beizukommen. Daneben zankten sich das päpstliche und das französische Postamt um die zwischen Paris und Rom gewechselten Privatkorrespondenzen. Die Wiedereröffnung des altvenezianischen Postamtes war ein bedeutsamer Schritt auf dem von dem Hofrate der Staatskanzlei Grafen Mercy entwickelten und von Metternich im April 1815 gebilligten Wege der Rückkehr zur vornapoleonischen Posthegemonie des Kaiserstaates. Der Augenblick, in dem sich die österreichischen Truppen zur Besetzung des südlichen Teiles der italienischen Halbinsel anschickten, schien eine einzigartige, nie wiederkehrende Gelegenheit zur Wiederaufrichtung der alten österreichischen Postrechte zu bieten. Behielt man unter dem Vorwände der militärischen Okkupation das römische Postamt in der Hand, errichtete solche auch in Florenz und Neapel und versah man sie zugleich mit tüchtigen Logisten, dann mußten sich die fremditalienischen Staaten für den Postverkehr mit dem Auslande *) Berichte aus Rom 14 VI 25, 15 I 7 Rom 6, 7. 2) J. Rinieri, Corrisp. Consalvi-Pacca 255 ff., 341. 59