J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien

empfindlichen Stelle, daß es die Verhandlungen abbrach30). Erst nach zwei­einhalb Jahren ist am 2. September 1820 der erste Postvertrag mit Preußen zustande gekommen 31). Darin überließ es Österreich seinen Postverkehr mit Südrußland und in beschränktem Ausmaße auch den mit der Schweiz. Mit Südwestdeutschland korrespondierte Preußen fernerhin über Böhmen. Die Korrespondenzverbindung zwischen Österreich und den preußischen Gebiets­teilen im Westen wurde Bayern überlassen, die italienische Korrespondenz Preußens von der bayrischen auf die österreichische Route verlegt32 33). Nachdem Bayern, wie oben erwähnt, im Verlaufe des Jahres 1818 auch der sächsischen Italienpost und der Schaffhausner Kantonalpost verlustig ge­gangen war, mußte es sich 1819 zur Kapitulation bequemen und den öster­reichischen Nachbarn aus der alten „Unmündigkeit und Dependenz“ ent­lassen. Das ging nun allerdings nicht ohne Drohungen und Repressalien, ge­reizte Anfragen — warum denn Österreich nur die Briefe und nicht auch die Durchmärsche der französischen Etappentruppen von Bayern fernhalten wolle3S) — und politische Spannungen ab. Als der bayrische Generalpost­direktor Schönhammer die Verhandlungen mit Lilien begann, waren Bayern fast alle österreichischen Auslandpostkurse entzogen und Schönhammer mußte in alle Bedingungen Liliens willigen. Am 15. März 1819 Unterzeichneten sic zu Wien den Postvertrag 34). Der Posttransit Frankfurt—Wien quer durch Bayern wurde beibehalten, die Korrespondenzverbindung zwischen Bayern und Krakau, Polen und Südrußland von der preußischen auf die österreichi­sche Route übertragen, Österreich auch der bayrische Postverkehr mit Grau­bünden und Italien anvertraut. Bayern erhielt dafür die Korrespondenz zwi­schen Österreich und dem nordwestlichen Preußen, den Niederlanden und Luxemburg. Den lange verweigerten Posttransit über Hof gab Bayern nun wieder frei. Es konnte nicht anders, wollte es des Postverkehrs zwischen Österreich und den Thurn und Taxisschen Nordwest- und Nordlinien nicht gänzlich verlustig gehen. Österreich erhielt den Transitverkehr über Reichen­hall, Bayern den über Bregenz zugesichert35), das seit den Tagen der größten bayrischen Machterweiterung zur Rheinbundzeit die Rolle eines bayrischen Grenzpostamtes spielte. Wie tief Bayern seine Niederlage empfunden hat, konnte Österreich noch 1829 aus der „Kleinlichkeit und Gehässigkeit“ er­kennen, mit der es der österreichischen Posttransitbegleitung statt einer Mus­kete nur eine Pistole gestatten wollte. C. Der Kampf um Italien. i. Eine norditalienische Postbarriere. Bis zur Französischen Revolution hatte sich Österreich auf der italieni­schen Halbinsel ausgedehnter, auf einem „politisch äußerst gut combinierten Postsystem“ beruhender Postrechte zu erfreuen. In seiner Hand lag die alte, 30) Note von Preußen 18 IV \y Preußen, adm. Reg. Postwesen. 31) L. Neumann 1. c. 3, 551. 32) Weisung nach Berlin 21 IV 10 Preußen, adm. Reg. Postwesen; H. Stephan 1. c. J27. 33) Eröffnung Bayerns (17 IV) Bayern, Varia 16. M) L. N e u m a n n 1. c. 3, 463. 35) Bericht Liliens 19 IV 16 Bayern, Varia 16. 58

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