J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien

das bayrische Postgebiet zu gewinnen2). Auch hier hat Österreich — ähnlich wie 1818 gegenüber Sardinien — vor Graubünden zurückweichen und im Postvertrage vom Februar 1820 die Fussacher Boten aus dem Spiele lassen müssen. 1824 machte eine große Post- und Diligenceunternehmung, die Württemberg, St. Gallen, Graubünden und Sardinien umfassen sollte, viel von sich reden. Bald darauf mußten die Fussacher Boten infolge des Wett­bewerbes der Stilfserjochlinie ihre Mailänder Fahrten einstellen. Da trat aber nun die Graubündner Kantonalpost an deren Stelle und wenn ihr auch die österreichische Postverwaltung mit Mißtrauen begegnete, so mußte sie sich doch zum Abschlüsse eines Postvertrages verstehen, den Peter am 1. Au­gust 1826 in Chur unterzeichnet hat3). Wohl war darin der südwestliche, nach Bellinzona ausgreifende Flügel, der der Grenze Sardiniens so gefährlich nahekam, neuerdings zugestanden. Auf der anderen Seite aber hat Peter Graubünden von einer unmittelbaren Postverbindung mit Baden, Württem­berg und dem Thurn und Taxisschen Postgebiet möglichst fernzuhalten ge­sucht. Das war nicht minder ein Akt der Vorsicht wie die österreichischer- seits verlangte Befugnis, die lombardischen Transitbriefposten begleiten und überwachen zu dürfen. Noch glaubte Peter eine Ableitung der Briefe nach Sardinien und dem übrigen Italien nicht befürchten zu müssen4). Bald aber haben Bayern und Sardinien neue Vorstöße auf dieser Flügel­strecke unternommen. Der bayrische Gesandte in Turin, Graf Freyen-Seybolts- dorf, stand ganz im Banne dieser Pläne und sein Züricher Kollege hatte es auf die Pachtung der Schweizer Posten abgesehen5 6). Einer solchen Blöße aber und eines so gefährlichen Beispieles durfte sich Österreich unter keinen Umständen schuldig machen0). Wenn Sardinien über Bayern, Württemberg und Baden nach dem Deutschen Bund und dem nördlichen Europa ausgriff, dann blieb ja Österreich nur noch der unmittelbare sardinisdie Korrespondenz­verkehr zur Überwachung übrig. Viel zugänglicher aber mußte sich Öster­reich bezüglich der sardinischen Postverbindung mit dem Tessin zeigen. Die war ja, solange sie an den Grenzen dieses Kantons Halt machte, noch einiger­maßen erträglich, auch ließ sich gegen die sardinischen Postdampfer auf dem Lago Maggiore kaum etwas Ernstliches unternehmen. Unter diesen Voraus­setzungen hat Lilien am 29. August 1828 den neuen Postvertrag mit Sardinien unterzeichnet7). Er hat ihm aber doch nur auf kurze Zeit Halt geboten. Schon 1832 mußte in dem erneuerten Züricher Postvertrage8) die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, daß der Postverkehr zwischen Sardinien und der Ostschweiz nicht mehr über die Lombardei werde bewerkstelligt werden können. Als die Fürsten von Thurn und Taxis 1834 die Schaffhausner Kantonalposten ankauften und auch die Pachtung der Kantonalposten von Graubünden und 2) Bericht Liliens 17 VII 16 Schweiz, Nachträge; Noten an Hofkammer 18 II 15, VIII 20 Finanzarchiv 732/FM aus 1818 und Notenwechsel ad Hofkammer 25; R. Domenig 1. c. 122; J. D o m e n i g 1. c. 39. 3) Urkunden (Bittner n. 2265); J. Lenggenhager 1. c. 348 ff.; J. Domenig 1. c. 49. 4) Peter an Hofkammer 26 VIII 3 Finanzarchiv 4757/FM aus 1826. 6) Bericht aus Zürich 27 VII 23 Schweiz, Nachträge. 6) Memorandum Liliens 28 VII 5 Sardinien, adm. Reg. 3. 7) L. N e u m a n n 1. c. 4, 239. 8) 32 VII 12 Urkunden (Bittner n. 2363). 108

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