J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien

Bewilligung einer Dampf er linie zwischen Triest und Ancona bewogen haben. Diese Konzessionen wurden in einem Ergänzungsvertrage vom 16. August 1839 festgelegt, der seinerseits wieder einen Zusatzartikel zum österreichisch­toskanischen Ergänzungsvertrage erforderlich machte54). Ähnliche Zusatzverträge hat Turneretscher am 5. Oktober 1839 auch mit Modena und vier Tage später mit Parma abgeschlossen55). Der Postverkehr mit Sardinien und Südfrankreich wurde Modena „fakultativ“, Parma uneingeschränkt überlassen, der nach Mittel- und Nordfrankreich in beiden Fällen — unter stillschweigender Aufrechterhaltung also des seit 1830 üblichen geheimen Briefabstempelungs- und Vermischungsverfahrens (S. 92) — weiter für Österreich in Anspruch genommen. Damit war der parmesa- nisch-sardinische Postvertrag vom 18. März 1829, der Sardinien die franzö­sische Korrespondenz zugesprochen hatte56), in seinem wesentlichsten Punkte durchbrochen. Die Transitsperre auf der Via Emilia, die Frankreich und Sardinien — von Südfrankreich und Südsardinien (Genua) abgesehen — dazu zwang, mit den Legationen und Marken über Mantua zu kor­respondieren, ist ebenso beibehalten worden wie die österreichische Vermitt­lung des Korrespondenzverkehrs mit Toskana, Rom und Neapel. Nur für die Korrespondenz zwischen Parma und der toskanischen Ex­klave Pontremoli ist der Zusatzvertrag von 1839 nach acht Jahren ab­geändert worden, da das vollständige Versiegen des regulären Briefverkehrs zwischen beiden Orten dazu nötigte. Wie konnte auch dem Publikum auf die Dauer zugemutet werden, von Pontremoli in acht Tagen über Florenz, Bologna, Modena und Mantua nach Parma zu korrespondieren, während die direkte Briefschmuggellinie nur xo bis 12 Stunden dazu brauchte! Pontremoli und Parma erhielten also nunmehr einen direkten Postwagenverkehr, doch ließ Metternich zugleich darauf dringen, daß von diesem Verkehrsmittel nur die toskanischen Exklaven Gebrauch machten. Das übrige Toskana, vor allem auch Livorno, konnte nur über das österreichische Mantua mit Parma korrespondieren57). Der Aufschwung der toskanischen Postlogen hat den Wiener Fiof nur noch kurze Zeit zufriedengestellt, wiewohl dieser von 1839 an Pistoj mit einer Sondergratifikation von 100 Dukaten bedachte, die seit 1842 von der Kabinettskanzlei des Kaisers unmittelbar bestritten wurde. Die antiöster­reichische Partei wuchs von Tag zu Tag, der Großherzog „rannte blind ins Verderben“ und die Gunst Brillandis, des neuen Staatssekretärs des Aus­wärtigen, schwand unter dem Eindrücke einer verfehlten Ordensverleihung — der dritten statt der zweiten Klasse der Eisernen Krone — rasch dahin58). Der Briefschmuggel blühte, von österreichischen Kurieren und toskanischen Winkelboten unterstützt, und zu den Schäden, die die toskanische Postver­waltung durch das Mißtrauen der Bevölkerung erlitt, fügte die Regierung durch die Einrichtung der Eisenbahnpost Pisa—Livorno neue hinzu. Sie „führte Krieg gegen das eigene Postwesen“, unterstützt von den Dampf­54) Urkunden (Bittner nn. 2514, 2515). 55) Finanzardiiv 691S/PP aus 1839 und Urkunden (Bittner nn. 2519, 2520); E.Melillo in Ri vista delle Communicazioni 1911. 5f>) Weisung nach Parma 38 XI 17, Bericht aus Parma 39 IV 10 Parma 19. 67) Richer an Mett. 46 VII 6 Parma 22; Weisung nach Florenz 47 I 9 Toskana, adm. Reg. Postwesen. 5S) Vortrag 40 XII 31 Vorträge 430. 106

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