J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien

Dazu kam noch der Brief Schmuggel, der in Toskana in Ermangelung eines Postgesetzes in höchster Blüte stand50). Noch einmal hat Metternich den Versuch unternommen, die toskani­schen Postlogen in Gang zu bringen und zugleich die Postverbindungen zwi­schen Parma, Modena, Toskana und Rom so zu verstärken, daß sie dem Anstürme Frankreichs standhielten. Zu diesem Zwecke ist im Frühjahr 1839 Turneretscher, selbst früher Logist und der beste Fachmann, über den die Oberste Hofpostverwaltung nach Peters Tod verfügte (S. 47), zugleich als Überbringer der üblichen Jahresgratifikation nach Italien entsendet wor­den. Die Sorgfalt, die er den toskanischen Postlogen zuzuwenden hatte, war im besonderen auch dadurch bedingt, daß Österreich zugleich auf die bisher gehandhabte Umleitung der toskanischen, nach Mittel- und Nordfrankreich be­stimmten Korrespondenz über Mailand (S. 96) verzichtete, wodurch diese nun ganz Sardinien, der Florentiner Postloge aber die Perlustrierung der­selben zufiel51). So setzte sich Turneretscher zunächst mit Pistoj ins Ein­vernehmen, inspizierte die Postlogen, griff auch selbst zu und sparte als er­fahrener Logist nicht mit Ratschlägen. Wohl mag er dadurch der Ängstlich­keit Pistojs und der Schwerfälligkeit seiner Logisten etwas abgeholfen haben. Ihrer Unverläßlichkeit aber und dem engen Gesichtskreise, unter dem sie die Briefe auswählten — nur Chiffrendepeschen und politisches Intrigenmaterial hielten sie hiefür für geeignet —, der mangelhaften Überwachung, den miß­lichen Lokalverhältnissen, dem tief eingewurzelten Brief Schmuggel, der Vor­sicht des Publikums, das seine Korrespondenzen bald nach ihrem Einlangen abzuholen und erst kurz vor ihrem Abgang aufzugeben pflegte, und vollends den heimlichen Widerständen, die sich bei einzelnen Logisten (S. 18) und namentlich unter den toskanischen Staatsministern geltend machten, hat auch Turneretscher nicht abzuhelfen vermocht. Der Ergänzungsvertrag, den er am 8. April 1839 mit Pistoj abgeschlossen hat52), stellte Toskana — implicite auch Rom und Neapel — den Postverkehr mit ganz Frankreich frei, band es jedoch bezüglich der Kor­respondenz mit Griechenland und der Türkei in allen jenen Fällen an den österreichischen Landweg, in denen der Briefschreiber nicht ausdrücklich den Seeweg verlangte. Zugleidi wurden die Postkurse auf der Bologneser Transit­straße auf eine wöchentlich fünfmalige Frequenz gebracht und dabei auch wieder die Strada di Giardini als Druckmittel auf die Kurie in Aussicht genommen. In der Tat fand sie Turneretscher jeder Neuerung und jeder zwischen­staatlichen Verkehrserleichterung grundsätzlich abgeneigt und den alten Massimo kränklich und grämlich und in beständiger Opposition gegen alles und alle. Schon wollte dieser wieder die Hand an die Bologneser Transit­bewilligung von 1823 legen und römische Postkuriere an die Stelle der öster­reichisch-toskanischen setzen53). Die Drohung mit dem alten Schreckmittel der Strada di Giardini mag ihn aber doch schließlich zum Einlenken und zur Genehmigung der österreichisch-toskanischen Postkursvermehrung sowie zur 50) Bericht aus Florenz 39 VI 11 (Anm. 48). 61) Weisung nach Florenz und Punktation für Turneretscher 39 III 2 Toskana 44. 52) Finanzarchiv 2511/PP aus 1839 (Bittner n. 2503); Bericht aus Florenz 39 IV 9 Toskana 63. 53) Bericht aus Rom 39 VIII 10 Rom 27. IOJ

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