J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)
II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien
Bald aber erfreuten sich die französischen Postdampfer dank ihrer Regelmäßigkeit und Schnelligkeit eines solchen Zulaufes, daß Frankreich schon um die Mitte der Vierzigerjahre alle übrigen italienischen Dampferlinien überflügelt hatte und das Ziel seiner Wünsche — das westeuropäische Postmonopol für Mittel- und Süditalien — siegreich in Händen hielt21). b) Wettbewerb der österreichisdoen See- und Landposten. In der Adria hat Österreich von Triest aus den Postverkehr versehen. Zunächst allerdings nur einmal im Monat durch ein Paketboot und nur bis Korfu22). Und wenn dieses im Arsenal von Venedig ausgebessert werden mußte, dann ruhte der Postverkehr gänzlich. So unbefriedigend lagen die Dinge noch 1831, als es Lilien bei den Pariser Postverhandlungen — nicht ohne viel Schönfärberei — glückte, die französisch-englische Griechenlandpost gleich der bayrischen für Österreich zu gewinnen23). Damit war aber die Hofkammer in die Notwendigkeit versetzt, den österreichischen Seepostverkehr derart zu verbessern, daß ihm der neue Postzweig nicht wieder entgehen konnte. Zur selben Zeit entwarf der österreichische Legationsrat Menz in Neapel den Plan einer direkten Postdampferverbindung zwisdren Manfredonia und Triest, die kommerziell und politisch von großer Bedeutung war. Noch verfügte aber die kaiserliche Marine über kein Dampfboot, während William Morgan schon ein Dampfschiffahrtsprivileg für die Strecke Triest—Venedig besaß24 25). Und noch ehe Österreich ein Dampfschiff nach Korfu oder Manfredonia in Dienst stellen konnte, befuhren schon griechische Dampfboote von Nauplia her die Adria. Nun mußte die Hofkammer die neapolitanische ganz hinter die griechische Dampferlinie zurückstellen, wollte sie deren Postdienst nicht in die Hände der griechischen und bayrischen Konsuln fallen lassen. Schon drängte Metternich auf die Eröffnung einer österreichischen Dampferlinie nach Nauplia und Alexandrien2!i). Mehr aber als eine vierzehntägliche Paketbootfahrt nach Korfu und Patras und die Ausrüstung weiterer Goeletten vermochte er zunächst nicht durchzusetzen. Auch Turneretscher, der im Jänner 1834 nach Korfu, Nauplia, Smyrna und Konstantinopel entsendet wurde und am 7. März 1834 den ersten Postvertrag mit Griechenland26) abschloß, konnte nichts daran ändern. Kein Wunder also, daß die französisch-englische Griechenlandpost immer häufiger über Ancona und Otranto ausschwenkte, auf welcher Strecke sie nur halb so lange unterwegs war als über Triest. Dessenungeachtet ließ die Hofkammer — mochten auch die Adressen noch so bestimmt jenen anderen Postweg vorschreiben — die französisch-englische Griechenlandpost, so gut es ging, über Triest befördern 27) — just zur selben Zeit, da Frankreich den englisch-türkischen Briefverkehr in ähnlicher Weise vergewaltigte. Schon hatte selbst die jonische Regierung ihr eigenes Dampf21) Bericht aus Neapel 42 VIII 26 Neapel 69. 22) J. Wank a, Postwesen in österr. 5, 209 ff. 2S) Notiz Liliens 31 IV 28 Friedensakten 159; L. Kalmus, Beförderung d. bayr.- griech. Korr. 1832—1834 (Arch. f. Postgesch. in Bayern 10/1). 24) V, M a 11 h i a s 1. c. 2, 16 f.; B. J ü 1 g, Entwicklg. d. österr. Seeschiffahrt 139 f. 25) Note an Hofkammer 33 X 8 Notenwechsel 37. 26) L. Neumann 1. c. 4, 334. 27) Note von Hofkammer 34 XII 16 Notenwechsel 78. IOO