J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)
II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien
boot zwischen Ancona und Korfu in Betrieb, als nach mühseligem Maschinentransport der erste österreichische Lloyddampfer „Maria Anna“ mit i. September 1827 — vier Monate nach den französischen — seine vierzehntäglichen Fahrten nach Korfu, Griechenland, Smyrna und Konstantinopel auf nahm28). Bald darauf sind sie nach Alexandrien ausgedehnt worden, woselbst bisher eine Kriegskorvette den diplomatischen Depeschendienst versehen hatte. Die österreichisch-türkische Post ist trotz dieser neuen in- und ausländischen Dampferlinien, denen sich bald auch eine englische nach Malta und Korfu beigesellte, auf dem altgewohnten Landwege befördert worden, der den „unschätzbaren Vorteil“ gewährte, daß sie auf diesem durch keine fremden Hände ging. Bis 1752 war die türkische Post nur einmal im Monate, dann aber alle zwei Wochen in Wien abgefertigt worden. Sie war ein altertümliches, langsam und umständlich bedientes Beförderungsmittel. Bis Sémiin war sie in einem kaiserlichen Hofpostwagen untergebracht, den zwei Unteroffiziere begleiteten. Dort wurde sie dann auf kleine waladiische Fuhrwerke umgeladen und auf diesen bis Bukarest befördert, wo sie zwei Janitscharen der Internuntiatur übernahmen, die sie von der Donau an zu Pferde nach Konstantinopel brachten29). Das dauerte 17 bis 19 Tage. Erst der Pariser Postvertrag von 1831, der Frankreichs großzügige Verkehrspläne offenbar werden ließ, hat da Wandel geschaffen. Die Nebenpostwege, die sich damals für den Westen und Nordwesten Europas teils zur See über Marseille, teils zu Lande über Preußen und Rußland eröffneten, ließen Lilien die Vermehrung der österreichisch-türkischen Postkurse als dringend geboten erscheinen 30). Mit ihm traten auch die Handelskammern von Wien, Konstantinopel und Smyrna für den Ausbau der österreichischen Landpostlinie ein, während die Hofkammer noch einen Schritt weiter ging und die Errichtung einer wöchentlichen Postdampferverbindung in Vorschlag brachte. Dem stellte allerdings die Staatskanzlei das „althergebrachte, geheiligte Recht“ der Landpostlinie entgegen, sprach sich aber gleichfalls für eine Vermehrung der Postkurse aus31), die noch im Dezember 1833 verwirklicht worden ist. Nun ging die türkische Post einmal in der Woche von Wien ab und wurde zugleich durch Wegabkürzungen — über Könnend und Fünfkirchen statt über Ofen — und sonstige Verbesserungen auf eine Laufzeit von 12 bis 10 Tagen gebracht, die, wenn sie auch noch immer etwas hinter der des Seepostweges über Marseille zurückblieb, doch gegen diesen in englischen und französischen Zeitungen ausgespielt worden ist32). Sobald allerdings im Mai 1837 der französische Levantedienst im vollen Umfange aufgenommen wurde, war und blieb die westeuropäische Orientpost für die österreichische Landpostlinie dauernd verloren33). Selbst in der Türkei sind ihr damals Schwierigkeiten erwachsen. Sie war ja nur geduldet, nicht staatsrechtlich verbrieft, und Janitscharen, nicht Postkuriere begleiteten sie aus diesem Grunde auf türkischem Boden. So wurde die Vermehrung dieses Postkurses von der Pforte als eine bedenkliche Neue28) Kundmachung 37 VII 7 bei Note von Hofkammer VIII 19 Notenwechsel 84. 2e) Instruktion für die Postbegleitung 29 VIII 4 Kriegsakten 511; Memoire über die Postverbindung mit der Türkei (vor 1830) Verträge betr. Akten 9. 3a) Denkschrift Liliens (nach 1831) Notenwechsel ad Hofkammer 143 b. 31) Note an Hofkammer 32 IX 12 Notenwechsel 36. 32) Weisungen nach Paris und London (Anm. 8, S. 98). 33) Note von Hofkammer (Anm. 11, S. 98). IOI