J. K. Mayr: Inventare Teil 5. Band 3. Metternichs geheimer Briefdienst. Postlogen und Postkurse (1935)

II. Die Postkurse - C. Der Kampf um Italien

dem Hinweis auf den direkten toskanisch-sardinischen Postweg erwidert oder doch als ein von Österreich im Interesse seiner geheimen Zwecke auf Toskana ausgeübter Zwang auf das gehässigste ausgelegt werden würde103). Dennoch ist es fast zehn Jahre lang bei diesem provisorischen Postumwege geblieben, auf dem die gesamte nach Mittel- und Nordfrankreich gehende toskanische Auslandpost einschließlich der römischen und neapolitanischen über Mailand und Turin befördert worden ist. „Die ganze italienische Korrespondenz ist in unseren Händen“, so schrieb Prokesch-Osten im Dezember 1831 in sein Tage­buch 104). Erst 1839 hat Österreich auf den Mailänder Zipfel, an dem es den von Neapel, Rom und Toskana nach Mittel- und Nordfrankreich laufenden Korrespondenzzug noch festhielt, verzichtet und damit diesen gänzlich der sardinischen Postanstalt überlassen. In der Gegenrichtung war er stets durch Sardinien vermittelt worden. Es war, wie wir noch hören werden, die Flo­rentiner Postloge, die Österreich für diesen Verlust schadlos halten konnte. In ähnlich berechnend-großzügiger Freigebigkeit hat Frankreich in den Post­verträgen des Jahres 1843 — die zugleich den Hüninger Transversalpostweg zum Teil nach Norden verschoben und über Forbach, Würzburg und Passau durch Bayern legten — die Hüninger Nordsüdlinie in beiden Richtungen dem Briefverkehr mit Parma, Modena, Rom und Neapel eingeräumt105), wodurch zugleich nach mehr als zwölfjähriger Dauer das geheime Briefabstempelungs­und Vermischungsverfahren, dem die parmesanisdien und modenesischen, nach Mittel- und Nordfrankreich bestimmten Korrespondenzen unterworfen waren, aufgehoben wurde. Was Frankreich nun so freigebig machte, das waren seine Postdampfer, die die Küste von Genua bis Neapel beherrschten und auf Schleichwegen wohl auch von Modena und Parma erreicht werden konnten. 5. Die französischen Postdampferlinien. a) Vorgeschichte und Ausbau. Die entscheidende Bedeutung des französischen Postvertrages von 1831 liegt nicht so sehr in der Neuordnung der fremditalienisch-französischen Post­wege als vielmehr in der Tatsache, daß von ihm die letzten Impulse zur Aufnahme einer regelmäßigen französischen Seepostdampfschiffahrt ausge­gangen sind, die das österreichisch-italienische Postsystem in seinen Grund­festen erschüttert hat. Segelpostbarken sind schon 1798 zwischen Manfredonia, Zara und Triest unterhalten worden. Auch zwischen Barcelona und Genua oder Livorno waren 1814 und später Postverkehrsmittel solcher Art in Aussicht genommen. Früh­zeitig hat sich Marseille einer besonderen Bedeutung als Posthafen erfreut. Schon um 1816 beförderten — allerdings noch nicht regelmäßig — Briggs und Goeletten die französische diplomatische Korrespondenz zwischen Mar­seille und Civitavecchia1) und 1823 wollte auch Sardinien2) Postpaketboote 103) Weisung nach Florenz 31 X 15 Toskana, adm. Reg. Postwesen. 1M) Prokesch-Osten 1. c. 120. 105) 43 V 18, XI 30, XII 6 L. Neumann 1. c. 4, 530, 553, 533. ') Berichte aus Rom 16 XI 5, 17 XII 21 Rom io, 13. 2) E. M e 1 i 11 o 1. c. 96

Next

/
Oldalképek
Tartalom