Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)

VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 2. Sekretäre der deutschen Expedition

Eingabe als Reichshofkanzleikonzipist2S1). Er vermerkte jetzt meist auf den Einlaufstücken die Beschlüsse des Reichshofrates und wird zusammen mit Questenberg am Schluß der Reichshofratsgutachten als Sekretär ange­führt 281 282). Er ist jetzt auch oft der Verfasser der im Reichshof rat beschlos­senen Expeditionen. Auf seine Bitte wurde er 1617 zum Extraordinari- Sekretär ernannt 283). Mit dem Titel eines kaiserlichen Rats und Reichs­hofratssekretärs — mit ihm wird dieser Titel nun offiziell eingeführt — diente er bis zu seinem am 9. März 1625 erfolgten Tode 283 a). Hueber hatte sich mancher Gunstbeweise der drei Kaiser, unter denen er diente, zu erfreuen. Noch von Rudolf II. erhielt er 1600 nebst einer neuerlichen Wappenbesserung den Adelsstand, 1610 einen Dienstbrief mit der Ver­leihung des Freisitzes und kaiserlichen Schutzes, von Mathias 1613 eine Privilegienbestätigung. Ferdinand II. verlieh ihm 1623 neuerlich eine Be­stätigung seines Adels und Besserung seines Wappens und das Prädikat von Huebersperg 284). Bemerkenswert ist, daß Hueber ein ansehnliches Ver­mögen bei Prag erworben hatte, das er jedoch während des böhmischen Aufstandes einbüßte. Da er während des Aufstandes mit verschiedenen in Prag verbliebenen Personen in Korrespondenz trat, um seinen dortigen Besitz zu retten, wurde er 1621 unter dem Verdachte des Hochverrates verhaftet und auf Befehl des Kaisers eine Untersuchung gegen ihn geführt, die jedoch mit seiner Rechtfertigung endete 285). Als Nachfolger Puchers scheint ursprünglich Dr. Johann Söldner ausersehen gewesen zu sein, der 1622 zum Sekretär ernannt wurde und am 8. Mai dieses Jahres zum ersten Male in dieser Eigenschaft im geheimen Rat fungierte 286). Söldner, der aus Böhmen stammte 286a), war 1618 an der Wiener Universität zum Doctor iuris promoviert worden und „hatte sich bei den Wiener Gerichten advocando et consulendo gebrauchen lassen“ 287). Er erwies sich als eine ausgezeichnete Arbeitskraft. In den ersten Jahren noch neben Pucher, dann selbständig, entwickelte er eine außerordentlich umfangreiche konzeptive Tätigkeit, die auch durch den Eintritt Arnoldins als Sekretär keine wesentliche Einschränkung erfuhr. Seine Wirksamkeit erstreckte sich ebenso auf die politischen Expeditionen 281) Eingabe de pr. 1613 Aug. 20 ebda. 282) Vgl. R. Lehensakt. B XXI die auf Brandenburg bezüglichen Stücke der J. 1613/15. 283) R. K. Verf. A. 7. 283 a) Dieser Titel in einem Schreiben des Erzkzlers. v. 6. Mai 1620 i. Mzer. R. K. 11. — Todestag s. R. Taxbuch 1625. 284) Vgl. die Eingaben u. Konz. i. Staatsarch. d. Innern 1600 Aug. 28, 1610 Dez. 20 u. 1623 März 2, ferner R. Reg. Mathias, Bd. 8, fol. 1. 285) Uber Huebers Vermögensverhältnisse vgl. das Diplom v. 1623 März 2, ferner seine undatierte Eingabe wegen Wappenbesserung für seinen Schwiegervater Jeremias Gasner, Bürger der kleinen Stadt Prag (Staatsarchiv d. Innern). Die Akten über die Unter­suchung gegen ihn i. Mzer. R. K. 12. 286) Vgl. R. Taxbuch 1622 u. Söldners Eingabe de pr. 1640 Okt. 22 i. R. K. Verf. A. 5. 286 a) Die Angaben über seine Herkunft sind insofeme widersprechend, als die Wiener Universitätsmatrikel Bd. V, fol. 38 v im J. 1607 bei der ungarischen Nation Söldner Pilsn ensis Boemus nennt, während die Matrikel der ungarischen Nation z. J. 1616 (Schrauf, Die Matrikel der ungar. Nation a. d. Univ. Wien 349) schreibt: Hoc anno in celebratione festi divi Ladislai orator fuit doctus et ingenuus adolescens juris utriusque baccalaureus Joannes Söldner E g r a n u s. 287) Mzer R. K. 8 E 25* 387

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