Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)

VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 2. Sekretäre der deutschen Expedition

Hand vorhanden. 1623 verlieh ihm der Kaiser das Palatinat 272). Am 16. November 1625 ist Pucher nach längerer Krankheit gestorben 273). Gleichzeitig mit Pucher gehörte Christoph G r a p 1 e r der Reichs­kanzlei an. Er wurde am 1. Juni 1395 als Kanzleischreiber mit einem Ge­halt von 120 fl. angestellt 274), nachdem er und sein Bruder Adam, der Sekretär und Kurier bei Dr. Bartholomäus Pezzen in Konstantinopel war, schon 1592 vom Kaiser den Adel erhalten hatten 275). Grapler diente dann zunächst in der Wiener Abteilung der Reichskanzlei und trat dann 1608 in die Kanzlei des Königs Mathias über. Hier wurde er alsbald mehr noch als Schrötl die Hauptkonzeptskraft. Seit 1610 begegnet er auch in den Kanzlei­unterschriften und bekleidete somit den Posten eines Sekretärs 276). Als solcher war er auch die Hauptarbeitskraft für Mathias’ Kanzleigeschäfte in der Zeit des Interregnums nach Rudolfs Tod wie audi in der ersten Zeit nach der Königswahl. Am 1. Juli 1612 wurde er zum österreichischen Hof­sekretär der Reichskanzlei ernannt 277), mit der ja Ende 1612 die bisherige königliche Kanzlei vereinigt wurde. Unter Mathias stand er an der Spitze der österreichischen Abteilung der Reichskanzlei, die erbländischen Sachen werden zumeist von ihm gezeichnet, sehr viele Konzepte von ihm ent­worfen. Der neuerliche Thronwechsel im Jahre 1619 zeigt ihn uns gleich dem Reichssekretär Pucher alsbald im Dienste des neuen Herrn. Wie er dann für die Verselbständigung der österreichischen Kanzleiabteilung und ihre Umbildung zu einer eigenen österreichischen Hofkanzlei tätig war, wurde bereits in anderem Zusammenhänge gezeigt 278). Grapler hat dann auch in der neuen Kanzlei das Amt des Sekretärs bekleidet. Im gleichen Jahre wie Pucher und Grapler trat Johann H u e b e r in die Reichskanzlei ein. Er wurde mit 1. November 1595 als Kanzleischreiber mit 120 fl. Gehalt eingestellt 279). Er hatte schon vorher durch einige Zeit bei den Reichsvizekanzlern Kurz und Freymon gearbeitet, wie wir aus einer ihm und seinem Bruder Georg 1397 gewährten kaiserlichen Wappen­besserung erfahren 28°). Hueber wurde bald nicht nur als Reinschreiber verwendet, sondern auch mit der Rubrizierung der Akten, besonders jener des Reichshof rates, befaßt. Von seiner Hand sind die durch ihre kleine Schrift bemerkenswerten Rubren, meist in der linken oberen Ecke, auf den Akten der ersten Jahre des 17. Jahrhunderts. Später wurde Hueber auch zum Konzipieren herangezogen und diente in erster Linie Pucher als Ge-- hilfe. 1613 wurde er zur Führung des Protokolls und zur Sammlung der Voten im Reichshofrat bestimmt, er bezeichnete sich damals selbst in einer 272) R. Reg. Férd. II., Bd. 2, fol. 291. 273) Laut R. Taxbuch 1625. — Pucher hatte in zweiter Ehe am 27. Juni 1616 zu Wien Eva von Römerstein „de antiquissima prosapia Austriaca Sybenbürgianorum a Seebern“ geheiratet (R. H. R. Prot. rer. resol. saec. XVII, Nr. 38, fol. 44). Über seine persönlichen Verhältnisse auch die Akten i. Sperr- u. Verl. A. 148. 274) R. Taxbuch 1595. 2'5) Supplik u. Konz. d. Standeserhöhg. v. 1592 Nov. 19 i. Staatsarch. d. Innern. ä76) Material über seine Tätigkeit befand sich i. I. A. 1 Kart. 2424 u. 2426 des Staatsarchivs des Innern. 277) R. Taxbuch 1613. 278) Vgl. oben S. 40. 278) R. Taxbuch 1595. 28°) Eingabe u. Konzept i. Staatsarch. d. Innern. 386

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