Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)
VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 2. Sekretäre der deutschen Expedition
schon seit i. Mai 1615 im Gehalt stand. Er war bei seiner Ernennung Sekretär der niederösterreichischen Regierung, nachdem er von 1600—1606 bei der Landeshauptmannschaft in Österreich ob der Enns als Sekretär und Zeugskommissär, 1606—1611 bei der Landschreiberei dortselbst gedient hatte, schon 1607 hatte der Kaiser ihm und seinem Bruder den Adel verliehen. Er stammte vermutlich aus Oberösterreich, wo sein Vater Einnehmer der Salzgefälle zu Rohrbach im Mühlviertel gewesen war 285). Sein Dienst in der Reichskanzlei währte nur bis 1618. Seit 1619 war er Obersekretär bei der niederösterreichischen Regierung und Klosterrat. Mit dem Taxator Mechtl, mit dem er einen häufigen Briefwechsel pflog, muß er im Verwandtschaftsverhältnis gestanden sein, da er ihn stets mit Vater anspricht und von Mechtl Sohn genannt wird25(i). Uber seine Tätigkeit in der österreichischen Expedition läßt sich nicht viel sagen, da das erhaltene Material viel zu dürftig ist. Neben Grapler dürfte er kaum eine größere Rolle gespielt haben. Im Reichssekretariat folgte auf Hannewald Johann Rudolf P u c h e r, auch Puecher, von Meggenhausen 257). Er entstammte einer anscheinend schwäbischen Familie, der seiner Angabe zufolge schon Kaiser Friedrich III. 1443 oder 1444 ein Wappen verliehen hatte, sie hieß damals Bucher von Isny 258). Seine Laufbahn scheint er im Dienste des geheimen Rates Graf Paul Sixt Trautson begonnen zu haben. Mit 1. Januar 1595 wurde er in der Reichskanzlei als Kanzleischreiber mit 10 fl. monatlich angestellt 289). Wegen seiner Verwendbarkeit brachte er es bis 1602 zum Konzipisten und erhielt die Besoldung eines Extraordinari-Sekretärs 259). Als solcher war er auch dem Reichshofrat beigezogen, wo er das Protokoll führte und die Stimmen zu sammeln hatte 2S8). Seit 1600 begegnet er bereits als Hauptkonzeptskraft, besonders in Schriftstücken des Reichshofrates, seine Konzepte wurden damals noch oft von Hannewald und Mechtl korrigiert. 1605 wurde er Extraordinari-Sekretär 26°), nachdem er bereits 1603 von Rudolf II. nobilitiert worden war und eine Wappenbesserung erhalten hatte. 1607 trat er aus dem Verbände der Reichskanzlei aus 2el), vielleicht war sein Verhältnis zu Hannewald, dem er feindlich gesinnt war 282), die Ursache. Er wurde nunmehr Sekretär der Hofkammer, nebenher bekleidete er seit dem Tode des Sekretärs Diez im Jahre 1608 auch den Posten eines oberösterreichischen Hofsekretärs, der jetzt aber von der Reichskanzlei ganz losgelöst war 263). Nach dem Tode Rudolfs II. kehrte er wieder in die Reichskanzlei zurück. Er ging mit Mathias nach Frankfurt 255) Vgl. die Angaben i. Adelsdiplom (Staatsarch. d. Innern) v. 1607 Mai 2 und i. d. Wappenbesserungsdiplom (ebda.) v. 1627 Aug. 18. 25a) Vgl. die Briefe in R. K. Verf. A. 34. 257) Er selbst unterzeichnet sich stets Pucher. Meggenhausen oder Meckenhausen in Mittelfranken, s. Nürnberg, an der Grenze der Oberpfalz, war ein Pucher verliehenes Reichslehen. 258) Vgl. Supplik u. Konzept seiner Nobilit. u. Wappenbesserg. v. 1603 Okt. 3 (Staatsarch. d. Innern) u. das Palatinatsdiplom v. 1623 i. R. Reg. Férd. II., Bd. 2, fol. 291. 26B) R. K. Verf. A. 28. 26°) R. K. Verf. A. 29: 1605 Aug. 18. 2el) R. K. Verf. A. 30: 1607 Dez. 17. 262) Vgl. P.s Brief an Ehg. Maxim, v. 1612 Febr. 7 b. C h r o u s t, Br. u. Akt. 10, 304, Anm. 4. 263) Vgl. P.s Schreiben v. 8. März 1612 i. Mzer. Wahl- u. Krön. A. 8a, Bd. 2a, Nr. 90. 384