Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)
VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 2. Sekretäre der deutschen Expedition
diesem Jahre endet indessen seine Beziehung zur Reichskanzlei und auch im geheimen Rat erscheint er nicht mehr. Erst das Taxbuch von 1621 verzeichnet ihn wieder 195 h). Er erhielt damals seine rückständige Besoldung ausbezahlt. Am 12. November 1622 richtete er dann aus Prag auf Ersuchen des Reichsvizekanzlers ein Schreiben an den Reichssekretär Pucher wegen des dem Grafen Heinrich Schlick gehörigen Hauses auf dem Hrad- schin, das für die Reichskanzlei zur Unterbringung der in Prag aus Rudolfs Regierungszeit verbliebenen Archive erworben werden sollte198*). Dies ist die letzte, mir bekannte Nachricht von ihm. Zur Charakteristik seiner Persönlichkeit sei noch einiges beigebracht. Zweifellos gehörte er zu den energischen Vorkämpfern der katholischen Sache. Nicht nur der Prager Nuntius hält ihn für einen eifrigen Katholiken 19e), auch Philipp Chr. v. Sötern, der Vertreter des Kurfürsten von Mainz und spätere Bischof von Speyer, nennt ihn columna catholicae religionis197). Der Nuntius Caetano, der ihm nicht sehr freundlich gesinnt war, bezeichnet ihn als hitzig und unüberlegt197a). Im Gegensatz zu Stralendorff ist eine besondere Geldgier bei ihm nicht zu bemerken, wenn er es auch verstanden hat, sich gelegentlich größere Geldsummen zusichern zu lassen. Er war wohl von Haus aus vermögend 197 b), nach seines Vaters Tod fiel ihm in Schlesien ausgedehnter Grundbesitz zu. Die Taxbücher führen neben seinem Namen auch verschiedene Prädikate auf, die auf teilweise wohl erst während seiner Amtszeit erworbenen Besitz zurückgehen. Neben den alten Prädikaten von Eckersdorf auf Damsdorf und Tschirnitz kommen auch die Orte Rottensieben, Pilsnitz, Pruhonecz und Ober-Iglingen vor198). Im Jahre 1608 beabsichtigte Hannewald, eine Herrschaft in Schlesien für 75.000 Taler bar zu kaufen 199). Mit seinem Besitz hängt es wohl auch zusammen, daß er im Jahre 1600 und in den folgenden Jahren wiederholt die Entlassung aus dem kaiserlichen Dienst nachsuchte, sich aber schließlich doch immer wieder zum Bleiben bewegen ließ 20°). Nach seiner Ernennung zum geheimen Rat scheint er allerdings kaum mehr ernsthaft an ein Ausscheiden aus dem Dienste gedacht zu haben. In späteren Jahren tauchen von bayrischer Seite einzelne Klagen über mangelnde Verschwiegenheit Hannewalds auf. Vielleicht standen sie im Zusammenhang mit seiner von allen Seiten bezeugten allzu großen Vorliebe für den Wein, die es mit sich brachte, daß er besonders am Nachmittage oft stark alkoholisiert war 201). Als Gehilfe Hannewalds ist zunächst Hans Albrecht M e c h 11 zu nennen. Er war der Sohn des herzoglich bayrischen Sekretärs Hans Mechtl 105 h) Demnach ist das bei Ritter und Ch roust angegebene Todesjahr 1613 zu berichtigen. 195 i) Mainzer R. K. 12. *") Vgl. S t i e v e 5, 902. 197) Vgl. C h r o u s t a. a. O. 340. 197a) Linhartova a. a. O. 237. 197 b) Über H.s Vermögens Verhältnisse vgl. auch H u r t e r, Gesdi. Ferdinands II. 6, 487. *98) Die gen. Orte befinden sich zumeist in Schlesien und Böhmen, Ober-Iglingen in Ober-Bayern. 199) Vgl. S t i e v e 6, 311 f. "°°) Vgl. die Korrespondenzen i. R. K. Verf. A. 7 (Hannewald). 201) Vgl. Stieve 6, 75 u. 168. Vgl. auch die Bemerkungen des Nuntius Caetanus über H.’s Trunksucht b. Linhartova a. a. O. 118. 378