Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)

VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 2. Sekretäre der deutschen Expedition

audi bestimmend für seine Einstellung zu Mathias, die damals zweifellos eine feindselige war 192 193) und auch den Kaiser beeinflußte. Es war keines­wegs immer so gewesen. Wir wissen von Hannewald selbst, daß um die Jahre 1600 bis 1602 Mathias bestrebt war, ihn in seine Dienste nach Wien zu ziehen und ihm die Leitung seiner Kanzlei übertragen wollte 19S 196). Seine Haltung gegen Mathias führte im Vereine mit seiner Stellung gegen die böhmischen Stände dann auch im April 1611 zu seiner Verhaftung durch die letzteren 194). Nach seiner im Juni erfolgten Freilassung, die nicht zu­letzt durch die Proteste der katholischen Reichsstände bewirkt wurde, ist Hannewald wieder in seine frühere Stellung bei Rudolf zurückgekehrt, dessen Vertrauen er auch weiterhin besaß. Vom Kaiser noch im Juli 1611 nach Dresden entsandt, strebte er in diesen letzten Regierungsmonaten des alten Kaisers sogar darnach, Reichsvizekanzler zu werden195). Zu einer Verwirklichung dieses Planes kam es nicht, Hannewald zog es überhaupt vor, nicht nach Prag zurückzukehren, wohl doch aus Besorgnis vor Mathias. Hieß es doch auch, der Kaiser habe ihn nur deshalb ins Reich gesandt, um ihn allfälligen Nachstellungen zu entziehen. Im Oktober und November 16x1 treffen wir ihn als Kommissär des Kaisers am Nürnberger Kurfürsten- tag 198 a). In Rudolfs letzten Lebenstagen scheint dann starkes Mißtrauen gegen Hannewald nach dessen eigener Aussage auf gekommen zu sein 195 b). Hannewald kehrte nicht mehr nach Prag zurück. Noch bei Lebzeiten Rudolfs sehen wir, wie wieder Fäden zwischen ihm und Khlesl bzw. Mathias gesponnen werden. Ob der erste Anknüpfungsversuch wirklich von Khlesl ausging, wie Hannewald vorgab, oder ob er selbst den ersten Schritt tat, um den Dienst Mathias’ zu suchen, ist schwer zu ent­scheiden 195 c). Tatsache ist, daß Khlesl Hannewald in die Dienste des Königs Mathias zu ziehen suchte, um von ihm die „Geheimnisse des Reiches“ zu erfahren195 d). Schon im Februar 1612 war Hannewald offenbar ent­schlossen, in den Dienst des neuen Kaisers zu treten. Schon im Juli 1612 war es allgemein bekannt, daß Hannewald und Mathias sich wieder ge­funden hatten 196 e), trotzdem es an Warnungen, die dem Kaiser die Wieder­aufnahme Hannewalds in den geheimen Rat widerrieten und Hannewald geradezu als den bösen Geist Rudolfs bezeichneten, nicht fehlte. Im Sep­tember 1612 finden wir Hannewald bereits im geheimen Rat wieder 195 f) und bei der Vorbereitung des Reichstages von 1613 leistete er die Haupt­arbeit195 g). Daß Khlesl und Mathias ihn trotz allem, was geschehen war, wieder heranzogen, spricht doch sehr für die außerordentlichen Qualitäten dieses Mannes. Am Reichstag von 1613 nahm Hannewald noch teil. Mit 192) Vgl. Stieve 5, 859 u. Hammer-Purgstall, Khlesl 2, Nr. 263 (S. 183). 193) Vgl. die Bittschrift H.s an den Kaiser v. 1603 Febr. 24 i. R. K. Verf. A. 7. 194) Vgl. Hammer-Purgstall, Khlesl 2, 274 ff. 195) Vgl. Chr oust, Briefe u. Akten 9, 608. 195 a) C h r o u s t, Briefe u. Akten io, 9. 196 b) Ebda. 304. 196 c) Ebda. 149, Anm. 4 u. 304 f. 195 d) Vgl. das Schreiben Mathias’ an Khlesl v. 23. Nov. 1611 bei Hammer- Purgstall 2, 382 u. Ritter a. a. O. 195 e) C h r o u s t a. a. O. 374. 195 f) Ebda. 634, Anm. 2. 195 8) Ebda. 657. 377

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