Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)
VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 2. Sekretäre der deutschen Expedition
unterzeichnet, wie auch als Schriftführer im geheimen Rat fungiertl75). Trotz seiner mehr als vier Jahrzehnte währenden Dienstzeit in der Kanzlei hat Engelhofer nicht jene Stellung zu erringen vermocht, wie sie Obern- burger oder Erstenberger einnahmen. 1594 wurde er von Rudolf II. in den Adel erhoben und erhielt eine Wappenbesserung 178). In den letzten Regierungsjahren Rudolfs, seit die österreichische Expedition infolge der Abtretung der meisten Länder an Mathias sehr eingeschrumpft war, tritt Engelhofer stark zurück und hat zumeist nur mehr Hofsachen expediert, doch hat er auch noch bis 1612 als Reichshofrat, welche Stelle er seit 1605 inne hatte, fungiert. Mit dem Tode des Kaisers verschwindet er aus der Kanzlei. Eine weit bedeutendere Stelle als Engelhofer nahm in der Kanzlei Rudolfs Andreas Hannewald (bisweilen auch Hanniwald und Hanni- bald geschrieben) ein, der Schwiegersohn Erstenbergers und dessen eigentlicher Nachfolger177). Jenem schlesischen Geschlechte entstammend, aus dem bereits ein Sekretär der Reichskanzlei hervorgegangen war 178), wurde er am 1. September 1590 mit einem Gehalt von 480 fl. als Hof Sekretär angestellt179), nachdem er bereits vorher in der Kanzlei des Erzherzogs Maximilian und des Bischofs Andreas von Breslau gedient hatte 179a). Als Sekretär Maximilians war er auch von diesem anläßlich seiner mißglückten Bewerbung um Polen 1588 zu diplomatischen Missionen verwendet worden und Ende 1588 in dieser Eigenschaft an den kaiserlichen Hof nach Prag gekommen 179 b). Die ersten Konzepte von seiner Hand entstammen der Tätigkeit des Reichshofrats und auf diesem Gebiete war er auch weiterhin eifrig tätig, doch ward er alsbald auch für andere Geschäfte herangezogen. Schon 1592 unterfertigt er kaiserliche Schreiben an Erzherzog Ernst nach Brüssel 18°) und nach Erstenbergers Tod fallen ihm alle Angelegenheiten der Reichspolitik zu. Schon 1593 sehen wir ihn als Sekretär des geheimen Rates tätig. Protokolle des geheimen Rates von seiner Hand sind sowohl aus diesem Jahre wie aus den Jahren 1594 und 1395 erhalten181). 1594 war er am Reichstag zu Regensburg bereits eine Hauptarbeitskraft der kaiserlichen Politik. Im Mai dieses Jahres wurde er dortselbst auch zum Rat und Reichshofsekretär ernannt und der geheime Rat beschloß, daß er die deutsche Expedition der Reichskanzlei, so wie er sie von Erstenberger übernommen, „integraliter und ohne abthailung“, innehaben sollte182). Seit 1595 wurde sein Gehalt auf 660 fl. erhöht. In den folgenden Jahren hat sich Hannewald immer intensiver der Reichsgeschäfte bemächtigt und 175) Vgl. z. B. Ndöst. 8 b die Eingabe Khlesls mit dem Vmk. Engelhofers: Fiat 29 Maii 1591 in secreto consilio apud Caesarem. Über seine Tätigkeit am Regensburger Reichstag von 1594 vgl. das v. J. Loserth herausg. Tagebuch d. Steiermark. Landschaftssekretärs Stephan Speidl 15, 16, 45, 46, 75 u. 76. 17e) Diplomskonzept v. 21. Juli 1594 i. Staatsarch. d. Inn. m) Uber Hannewald vgl. Ritter i. d. Alig. Deutsch. Biogr. 10, 522 f. u. C h r o u s t, Abraham von Dohna 272, Anm. 1. 178) Vgl. S. 409. 179) Taxbuch 1590. 178 a) Vgl. R. K. Verf. A. 7: Schreiben Hanniwalds v. 1600 Juni 16. 179 b) Vgl. Schweizer, Nuntiaturberichte II/2, LXXVII, XCIV ff. u. 310 ff. 18°) Belgische Hofkorr. 6. 181) R. H. R. Resol. Prot. saec. XVI, Nr. 68, 70 \ 75. 182) R. H. R. Resol. Prot. 70 b, fol. 24. 375