Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)

VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 2. Sekretäre der deutschen Expedition

tokollführer des Reichshofrats 112 113). Erstenberger war nun in den folgenden Jahren, mehr noch als Obernburger, der Bearbeiter der Reichssachen. Als erfahrener und geschulter, juristisch vorgebildeter Beamter hat er gleich mit seinem Eintritt in die Kanzlei eine umfassende Tätigkeit entfaltet. Die ersten von ihm entworfenen Konzepte datieren bereits aus den ersten Mo­naten des Jahres 1569 11S *). Durch seine Stellung als Sekretär des geheimen Rates ward er auch alsbald für die Abfassung von solchen Schriftstücken herangezogen, die mit den geheimen Haussachen der kaiserlichen Familie zusammenhingen, soweit diese nicht von Unverzagt besorgt wurden 114). Sein Hauptarbeitsgebiet waren die von der Reichspolitik erforderten Schriftstücke und die Prozeßakten des Reichshof rates. Schon 1570 galt er am Speyerer Reichstag als einflußreicher Mann und Volckamer, der Vertreter der Stadt Nürnberg, riet dem Nürnberger Rat, der Bitte Erstenbergers um ein verzinsliches Darlehen zu willfahren, denn er sei „umb die Kais. Mt. verdient, auch in der bewusten gehaimen Sachen in allerlei vertraut und darunder gepraucht“115). Im selben Jahre vermerkte er zu Speyer zum 12.De­zember in dem von ihm geführten Protokoll, daß er der Reichsgeschäfte halber bis zum Aufbruch des Hofes von Speyer an den Reichshofratssitzungen nicht teilnehmen konnte 118). Auch für die beiden folgenden Reichstage in Regensburg (1576) und in Augsburg (1582) hatte Erstenberger die vor­bereitenden Arbeiten zu leisten, wie ihm auch während der Reichstage die Hauptlast der Geschäfte zufiel; beim Augsburger Reichstag allerdings mit weitgehender Unterstützung durch Engelhofer117). Neben den politischen Angelegenheiten sind auch zahlreiche Judizialakten von ihm bearbeitet worden. Die Zahl der in seiner etwas ungelenken, nicht eben schönen Schrift geschriebenen Aktenstücke ist sehr groß. Seine Vertraut­heit mit den Reichsgeschäften veranlaßte auch den Kaiser, Erstenberger zu diplomatischen Missionen bei einzelnen Reichsfürsten zu verwenden, so sandte er ihn 1587 nach Mainz und Trier, über welche Mission er im geheimen Rat an den Kaiser Bericht erstattete 118). In Einzelheiten einzu­gehen, ist an diesem Orte nicht tunlich, doch sei noch auf seinen Brief­wechsel mit den Herzogen von Bayern verwiesen, der manchen Einblick in seine Tätigkeit gewährt119). Erstenbergers Name ist weit mehr als durch seine Tätigkeit als Beamter des Kaisers durch schriftstellerische Tätig­keit auf kirchenpolitischem Gebiete auf die Nachwelt gekommen. Er ist der Verfasser des Tractats de Autonómia, einer überaus leidenschaftlichen und fanatischen katholischen Schrift über die Frage der Freistellung der 112) R. H. R. Resol. Prot. Nr. 32. 113) Vgl. Saxonica 2«: 1569 Apr. 16. lla) Vgl. Fam. A. 17 (Vermählung Philipps II. mit Anna 1570) u. Famii. A. 18 (Vermählg. Erzhzg. Karls). 115) Vgl. G ö t z, Briefe u. Akten d. 16. Jhts. 5, 760, Anm. 1. — Es handelte sich um den Landsberger Bund. lle) R. H. R. Resol. Prot. Nr. 32 zu 1570 Dez. 12. UT) Vgl. R. T. A. 53 a, 54 a u. 58 a, 60 a u. 60 b. lls) R. H. R. Resol. Prot. Nr. 56 b (Geh. Rats Prot.), fol. 23. 119) Vgl. B e z o 1 d, Briefe d. Pfalzgrfen. Johann Kasimir 1, N. 259; 2, N. 303, N. J02. N. j 12 u. 3, N. 24 *. 24 369

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