Lothar Groß: Inventare Teil 5. Band 1. Die Geschichte der deutschen Reichshofkanzlei von 1559-1806 (1933)

VI. Biographische Daten und Betätigung der einzelnen Beamten - 1. Die Reichsvizekanzler

vor seinem Tode, von ihm revidierte und genehmigte Konzepte 361). Er starb am 28. November 1740. Während des Interregnums führte zunächst Graf Colloredo die Geschäfte des Vizekanzlers. Nach der Wahl Karls VII. suchte sich Colloredo zunächst im Vizekanzellariat zu behaupten, wobei er die Unterstützung des Erzkanzlers fand, der sich bei Karl VII. für ihn ein­setzte. Der Kaiser lehnte jedoch Colloredo rundweg ab und wünschte seinen Wahlbotschafter Johann Georg Graf Königsfeld auf Zaitz und Packhofen als Vizekanzler. Der Kurfürst stimmte am 30. Januar 1742 zu 362). Königsfeld, der einer der ältesten bayrischen Adelsfamilien ent­stammte 363), blickte auf eine lange Laufbahn als Diplomat im kurfürst­lichen Dienste zurück 364). Er war am 1. November 1679 geboren 365). Seit 1717 war er kurfürstlicher Gesandter am Regensburger Reichstag, in den Jahren 1728, 1729 und 1730 hatte er den Kurfürsten Karl Albrecht auch in Soissons und Paris vertreten. Zuletzt war er Oberstkämmerer des Kurfürsten und leitete dann 1741 die Verhandlungen zur Wahl Karl Alberts. Als Vizekanzler mochte ihn die langjährige Praxis am Sitze des Reichstages ganz geeignet erscheinen lassen. Er bewarb sich in einem französisch geschriebenen Bittgesuch an Karl Albrecht um die Verleihung dieser Stelle 366). Nach einer des Tagesdatums entbehrenden Eintragung im Eidbuch der Reichskanzlei ist er noch im Januar 1742 beeidet worden. Seine Tätigkeit im täglichen Kanzleibetrieb scheint eine ziemlich lebhafte gewesen zu sein, wenn auch viele sonst von den Vizekanzlern persönlich geleistete Arbeiten in der Kanzlei Karls VII. von den beiden Referendaren besorgt wurden und andererseits der Kaiser selbst die Konzepte revi­dierte 367). Charakteristisch für Königsfeld ist, daß er Weisungen an die Beamten der Kanzlei statt mit seinem Namen mit den Buchstaben R. V. C. (— Reichsvizekanzler) Unterzeichnete. Zettel mit Befehlen an die Beamten und dieser Unterschrift finden sich nicht selten 368). Königsfelds Begabung wurde von den Vertretern Frankreichs am Münchener Hofe nicht eben hoch eingeschätzt, doch rühmten sie seinen Eifer sowie seine Geschicklich­keit und Geschäftskenntnis. Bei den Franzosen galt er als überaus geld­gierig und daher Bestechungen zugänglich 369). Nach dem Tode Karls VII. erfuhr Königsfeld dasselbe Schicksal, das drei Jahre vorher Colloredo ereilt hatte. Auch er konnte sich bei dem neuen Monarchen nicht behaupten 361) Malta 3: 1740 Okt. 1. 362) Mzer. R. K. 5, Tomus G. 363) Vgl. Kneschke, Adelslexikon 5, 198. 304) Uber Königsfelds politische und diplomatische Tätigkeit enthält das bayerische geheime Staatsarchiv viele Akten. Ich bin der Direktion dieses Archivs für die freundliche Mitteilung eines Verzeichnisses dieser Akten zu besonderem Danke verpflichtet. 365) Hübner, Genealog. Tabellen 3, Tafel 930. 368) München geh. Staatsarchiv K. schw. 415/173. 3B7) Vgl. unten S. 398. 36S) Vgl. z. B. den Zettel beim Konzept des Kreditivs Karls VII. für den Freiherrn von Wetzel v. 1742 Apr. 12, R. K. Weisgen. nach Dresden 2 K 30a) So urteilen übereinstimmend Chavigny und die Instruktion für den Comte de Baschi, Recueil des instructions données aux ambassadeurs de France 7, 280 u. 306. Diese Urteile stammen aus d. J. 1745 und 1748, also aus der Zeit nach dem Tode Karls VII. 352

Next

/
Oldalképek
Tartalom