Historische Blätter 7. (1937)

Taras v. Borodajkewycz: Kaiser und Reichserzkanzler bei Beginn des spanischen Erbfolgekriegs

die Einräumung fester Plätze oder die Aufnahme französischer Truppen verlange. D’Iberville beruhigte den Kurfürsten und versicherte ihm, der König werde von ihm gewiß nichts verlangen, was über die Garantie­erklärung hinausgehe. Beim Abschied suchte er Lothar Franz nochmals zu einer schriftlichen Erklärung zu bewegen, die er in Köln und Trier vorzeigen wollte; aber Lothar Franz ließ sich nicht darauf ein und verständigte sofort Köln und Trier durch Eilboten von dem Ansinnen, das auch ihnen drohte46. Da stellte die Nachricht von der Annahme des spanischen Testaments und der Krone der spanischen Gesamtmonarchie durch Ludwig XIV. für seinen Enkel die rheinischen Kurfürsten vor eine völlig neue Situation. Im ersten Augenblick drohte sie Verwirrung anzustiften. Johann Hugo von Trier war so herzlich froh, in ihr einen Ausweg aus dem lästigen Ge­dränge zu erblicken, in das ihn die ständigen französischen Forderungen nach einem Beitritt zu dem Teilungsvertrag gebracht hatten, daß er dem französischen Gesandten ein Schreiben an seinen König mitgab, in dem er in kurzen Worten seine Freude über den Schritt des Königs aussprach, von dem er eine Befestigung des Friedens in Europa erhoffe. Doch war einer Anerkennung des neuen Königs von Spanien noch keine Erwähnung getan47. Die Frage der Einstellung zu diesem umstürzenden Ereignis der europäischen Politik trat aber für die geistlichen Kurfürsten sofort in ein entscheidendes Stadium, nachdem ihnen Ludwig XIV. die Beschlüsse des 16. November durch ein eigenes Notifikationsschreiben zur Kenntnis bringen ließ48. Köln zog sich sehr rasch und bequem aus der Angelegen­heit, indem es zweigeleisig fuhr. Am 1. Dezember teilte Joseph Clemens dem Kurerzkanzler unter Versicherungen des Bedauerns mit, daß sein Pariser Gesandter von Waldor ohne irgend einen „Befehl“, „auss weiss nicht wass für einer fatalitet“ dem Herzog von Anjou in seinem Namen bereits zur Erhöhung zum König von Spanien gratuliert habe. Diesen Schritt könne er nicht mehr zurücknehmen, noch auch öffentlich widerrufen, ja es bleibe ihm nichts anderes übrig, als auch in seiner künftigen Antwort eine „unverfängliche“ Erklärung „aufs delicateste“ einfließen zu lassen49. Man muß zugeben, die Lage des Erzkanzlers und seiner Mitkur­fürsten am Rhein war in diesen ersten Dezembertagen keine leichte. Sie wurde noch erschwert durch das Gewirre von Nachrichten und Gerüchten, 46 Lothar Franz an Kurköln und Kurtrier 17. XI. 1700, M. E. A. Korr. 99. 47 Johann Hugo von Trier an Lothar Pranz 26. XI. 1700, a. a. 0. 48 Das Notifikationsschreiben ist vom 21. November datiert, M. E. A. Korr. 99. 49 Joseph Clemens an Lothar Franz 1. XII. 1700, a. a. 0. 130

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