Historische Blätter 7. (1937)
Walter Latzke: Das Ende des Wiener Frauenklosters St. Anna
Dienstbücher an seinen Kellermeister und Kästner zu Wien, damit diese die Beschreibung der Klostergüter und ihre Einziehung zur niederösterreichischen Kammer vornehmen könnten ; dem Konvent sollte ein anderweitiger Unterhalt angewiesen werden16. Gelang es den Bitten der Äbtissin auch, diese äußerste Gefahr abzuwehren, so verging doch noch nahezu ein Jahr, ehe die Klarissen eine dauernde neue Heimstätte fanden. Erst am 27. März 1531 verschrieb der Rat von Wien den Nonnen „auf ir lebelang“ die Kapelle St. Anna und eine Reihe von Zimmern im Pilgramhause für Gottesdienst und Wohnung unter ausdrücklichem Vorbehalte des Eigentumsrechtes17. So war die neue Heimstätte weit davon entfernt, ein vollwertiger Ersatz für St. Clara zu sein. Die Einantwortung der Messenstiftungen und des Kirchenornates von St. Anna bildete den Gegenstand eines neuerlichen Gesuchs an den Statthalter18, die notwendige Vergrößerung der Wohnung gelang erst am 25. April 1535 durch Mietung zweier weiterer Kammern im Pilgramhause19. Mit der am 20. Dezember 1539 erfolgten endgültigen Übergabe des St. Clara-Klosters an das Bürgerspital 20 schwand für die Klarissen von St. Anna jede Hoffnung, ihr altes Kloster wieder zu erhalten. Dem dringenden Gesuche der Nonnen an den König, es möge ihnen nunmehr St. Anna und das Pilgramhaus eigentümlich eingeantwortet werden21, folgte zwar am 11. September 1540 ein entsprechender Bescheid des Königs an die niederösterreichische Regierung22 23, allein erst am 10. Februar 1541 ließ sich der Wiener Rat herbei, die Kirche von St. Anna und das Pilgramhaus den Klarissen ins Eigentum zu übergeben2S. So war nun ein neues Klarissenkloster St. Anna entstanden. Seine weiteren Schicksale bis zu seinem gewaltsamen Ende stehen im Zeichen inneren und äußeren Niederganges unter ständig steigendem Druck der landesfürstlichen Aufsichtsgewalt. Die Klostervisitation von 1544 konnte zwar noch die Aufrechterhaltung der Klosterzucht feststellen, allein die Zahl der Nonnen war von 17 auf 10 gesunken, das Klostergut durch Türkensteuer und anderweitige Zwangsverkäufe geschmälert24 (der Wiener 18 K. Top. XI, S. 419 (Beilage 50). 11 ebendort S. 425—427 (Beilage 53 und 54). 18 ebendort S. 427 (Beilage 55). 19 ebendort S. 429 (Beilage 56). 20 Hormayr, Wien, seine Geschichte und Denkwürdigkeiten H/1, Urkundenbuch S. XXXVIII, no. CCXVI. 21 K. Top. S. 429-432 (Beilage 58). 22 ebendort S. 358. 23 ebendort S. 432—434 (Beilage 59). 24 ebendort S. 360—364. 102