Historische Blätter 5. (1932)

Dr. Julius Marx: Eine vormärzliche Wirtschaftskrise im Lichte der amtlichen Berichte

die Ereignisse betäubenden Eindruck und riefen sogleich Stockung in Handel und Gewerbe hervor. Daß Geymüller der Untersuchung „ent­gehen“ konnte, berührte sehr unangenehm, auch im Ausland, denn sein Fall traf auch Schweizer Händler, die mährische Produkte bezogen und auf ihn das Geld angewiesen hatten. Mit Recht konnte der Polizeiober­direktor melden: „Man sagt, daß mit diesem Haus zum großen Teil auch der Kredit der Monarchie fiel.“ Die Vorgänge in den Provinzen übten wieder auf Wien ihre ver­derbliche Wirkung aus. Grenzenlose Verwirrung riß ein, Arbeitslosig­keit und Bettel nahmen ebenso erschreckend zu wie Irrsinnsfälle, Selbst­morde und Verbrechen. Einen wilden Ansturm, ärger als den von 1830, hatte die Sparkasse auszuhalten, weil es hieß, Geymüller habe sie in Mit­leidenschaft gezogen. Aber nicht nur in Wien, sondern auch bei ihren Kommanditen in Lemberg, Linz und Salzburg wurden fortgesetzt große Summen angefordert, die größten aber von denen in Brünn und Krumau. Im Oktober wies das Institut mit 362.800'50 fl. seinen tiefsten Einlagen­stand aus. Ruhig überstand es diese Krise, obgleich es wirklich geschä­digt worden war. Die Regierung kannte die böse Stimmung, die ihre Maßnahme in der Geschäftswelt hervorgerufen hatte, sehr wohl und nahm daher, um ein öffentliches Mißtrauensvotum zu verhindern, dem Bankausschuß die Wahl des Nationalbankvorstandes aus den Händen. Man kann dieses unerquickliche Kapitel am besten mit den Worten des Polizeioberdirektors schließen: „Für Österreichs Verkehr gab es seit Menschengedenken keine schrecklichere Zeitepoche als es der abge­wichene Monat Juli war 13.“ Die Erbitterung der Wirtschaftskreise geht zum Teil auch auf steuerfiskalische Maßnahmen zurück, weshalb sie an dieser Stelle kurz zusammengefaßt erwähnt werden sollen, da sie für diese Arbeit nur als ein wesentlicher Faktor der Mißstimmung in Betracht kommen. Sieht man vom Finanzpatent (1811) und Erwerbsteuerpatent (1812) ab, so hat man einschneidende, aufwühlende finanzpolitische Maßnahmen nur mehr 13 „Tagebücher des F. C. Frh. v. Kübeck zu Kübau“, Wien 1909; II., S. 6. — „Metternich u. Küb. Ein Briefw.“, S. 8f. (3„ 4. u. 10. Juli 1841). — Srbik, II., S. 39 f. — Stern, II./2, S. 79 f„ II./3, S. 345. — Springer, I., S. 463ff., 551. — „Öst. u. seine Staatsm“, I., S. 105ff. — „Ö st. im J. 1843“, S. 47, 126 f. — S t. - A., M. K. A. (f. Lz. u. Tr. vgl. vorige Anm.), Z. 570, 639, 700, 1029 u. 1394 ex 1841. — Wr. B. f. März bis Okt. 1841. Tr. B. f. 1841. Gr. Julib. 1841. Pr. B. f. Juli bis Sept. 1841. — Leitenbergers Unter­nehmen wurde fortgeführt, um d. Gebirgler, deren Verleger er war, nicht in ärgste Not geraten zu lassen. 47

Next

/
Oldalképek
Tartalom