Historische Blätter 5. (1932)

Dr. Julius Marx: Eine vormärzliche Wirtschaftskrise im Lichte der amtlichen Berichte

Entmutigung hervorrief, eintrat. Flauheit herrschte in der böhmischen Industrie, ebenso in der mährischen, die nur im Sommer vorübergehend Besserung zeigte. Fallimente und Ausgleiche waren häufig, sie erweckten in Prag und Brünn den Wunsch nach Schutz vor betrügerischen Prel­lereien. Laibach klagte über Absatzstockung seiner Spinnerei und das geringfügige Speditions- und Kommissionsgeschäft, Klagenfurt über .flaue Lage im Eisen- und Bleihandel. In Triest fallierten einige Häuser, die Einschränkung des Handels, des Kredits ließen die Zukunft besorg- lich erscheinen 12. Unter dem Hofkammerpräsidenten Eichhoff waren einige Bank­häuser begünstigt worden, welche unter Ausnützung ihres übermäßig ausgedehnten Bankkredits waghalsig spekuliert hatten und durch ihren drohenden Zusammenbruch letzten Endes die Nationalbank selbst ge­fährdeten. Diese Mißbräuche stellte sein Nachfolger Kübeck radikal ab. So weit ging seine Kreditbeschränkung, daß nicht einmal auf Staats­papiere Vorschüsse gewährt wurden. Dieser plötzliche, unvorhergesehene Eingriff erschütterte aber das ohnehin darniederliegende Geschäftsleben in heftigster Weise. Geld war nur mehr gegen 8 bis 10% erhältlich, langfristige Abschlüsse mußten mit Verlust aufgegeben werden, die Börse reagierte mit allgemeinen Kursstürzen. Im Juli traten große Zusammen­brüche ein: Steiner u. Co., dann Freiherr von Geymüller, alte, hochan­gesehene Bankhäuser. Sie rissen in Wien einige Firmen mit, darunter das alte Haus Belloni, dessen Konkurs auf den Rohseidenhandel ver­heerend wirkte und in Graz die Zahlungseinstellung des Eisenhändlers Miskey nach sich zog; ihnen folgte eine ganze Reihe in Pest. Triest, wo schon im Mai ansehnliche Häuser falliert hatten, erlitt durch die Wiener Ereignisse schwere Verluste, zeitweise war die Lage so kritisch, daß die Stadtkasse mit Vorschüssen helfend beispringen mußte. In Prag riefen die Vorgänge das lebhafteste Aufsehen und Kapitalsflucht aus den Unternehmungen hervor. Die Folge war die Insolvenz einer der größten böhmischen Firmen, Leitenberger. Alle Geschäfte suchten den Schwierig­keiten durch Einschränkungen zu begegnen. Die Kottonerien, die schon über den Bedarf erzeugten, waren hiebei in der schlechtesten Lage; die Konzentration förderte den Untergang der Kapitalschwachen mächtig, doch hinderte der Geldmangel technische Fortschritte. In Linz machten 12 Slokar, S. 642. — „Österr. im J. 1840“, I., 121 ff., 278, 352 f., 368 f. — „Österreich und seine Staatsmänner“, Leipzig 1843; I., S. 183 ff. — S t. - A., M. K. A., Z. 961 (Br. Hofgesuch), 974 (Tr.), 1407 u. 1909 (Lz.), 1740 u. 1929 (Lb. u. Klagenfurt) ex 1841. — Or. u. Br. B. f. 1841. Pr. B. f. März 1840; Jänner, Februar, Mai 1841. Wr. B. f. Jänner bis Aug. 1841. 46

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