Historische Blätter 4. (1931)

Karl Großmann: Metternichs Plan eines italischen Bundes

daß Österreich nicht dulden könne, daß Sardinien in Petersburg intri­giere und verleumde. Auch der Botschafter in Rußland wird Österreichs Verzicht unterstreichen und darauf hinweisen, wie nur durch festes Zu­sammenhalten der vier Mächte die kleinen Staaten im Zaum gehalten werden könnten 180. Aber nicht nur, daß Rußland den Gegner spielte, auch England er­füllte nicht die Erwartungen. Wohl hielt Esterházy alle Beweise der Mäßigung seines Staates in Italien vor, Castlereagh wollte die Frage nicht in ihrem vollen Umfange verstehen und als der Gesandte seinen größten Trumpf, die sardinischen Intrigen in Petersburg ausspielte, brachte auch das nicht die erhoffte Wirkung hervor. So mußte er zur Überzeugung kommen, daß es Castlereagh selber gar nicht so ernst sei, daß er Rücksicht auf Frankreich nehme, ja im Grunde seines Herzens sogar auf Rußland und daß ihm die sardinische Politik des Schwankens nicht einmal so unangenehm sei, insofern sie ihm mehr Einfluß in Turin gebe 181. Castlereagh scheint also die Unterstützung Österreichs als aus­sichtslos bereits aufgegeben zu haben. Die Mission Fiquelmonts war trotz der Räumung Alessandrias wieder ergebnislos verlaufen. Nochmals hatte Baron Binder im April schwere Klage über Sardiniens Vorgehen zu führen und das Hereinziehen Rußlands wurde geradezu als Bruch der bestehenden Verträge gekennzeichnet; doch man antwortete nur immer wieder, der König sei schon an die Allianz der vier Mächte gebunden 182. Auch durch die lauten Klagen und Vorwürfe der österreichfreundlichen Italiener in Wien in der Umgebung des FML. Sommariva ließ man sich in Turin natürlich nicht rühren 183. Und so wich denn Metternich aus der letzten noch verteidigten Stellung. Am 7. Mai erfolgten die Rückzugsbefehle an die Botschafter in London und in Petersburg 184. Bei der russischen Regierung führte Metternich Klage über Sardiniens Doppelzüngigkeit, das überschweng­liche Dankesbriefe schreibe und zugleich Österreichs Politik beim Zaren in den schwärzesten Farben darstelle. Über den Simplon hätte eine freundschaftliche Vereinbarung stattfinden sollen, von einer Forderung iso Maiid. 1816 März 11, Konz. St. A. W., Rußld., Weis. 181 Esterházy an Mett., Lond. 1816 Apr. 2, Engl. Ber., St. A. W., Konz. 182 Vallaise an Alfieri in Paris, 1816 Apr. 21, St. A. T., Reg. seer. n. IV, fol. 73 ff. 183 Ber. d. Grafen Rossi aus Wien, 1816 Apr. 3, Or., St. A. T. 184 Triest, 1816 Mai 7, St. A. W., Kopien, Engld. u. Rußld., Weis. 71

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