Historische Blätter 4. (1931)

Ferdinand Bilger: „Großdeutsche“ Politik im Lager Radetzkys

Durchmarsch der russischen Hilfstruppen durch preußisches Gebiet nach dem Kriegsschauplätze in Ungarn. Noch immer stand die letzte preußi­sche Note vom 28. April den österreichischen Absichten in den deutschen Bundesangelegenheiten entgegen, aber die Absage an Frankfurt, die scharf ausgesprochene Bereitwilligkeit, überall dort, wo durch ein starres Festhalten der Versammlung an ihren bisherigen Beschlüssen gefährliche Krisen hervorgerufen würden, durch entschiedenes Handeln einzu­greifen 133 * 135, war in diesem Zeitraum des letzten Lebenskampfes der Na­tionalversammlung, die bald dem Wrack eines gestrandeten Schiffes 136 gleichen sollte, doch das stärkere Band. Am 14. Mai hatte, wie Öster­reich schon lange vorher137 *, auch Preußen seine Abgeordneten ab­berufen 13S. Während preußische Bataillone den Dresdener Aufstand niederwerfen 139 und nach der bayrischen Pfalz140 auf dem Marsche sind, beschließt die Frankfurter Versammlung, diesem „einseitigen Ein­schreiten als einem schweren Bruch des Reichsfriedens mit allen Mitteln entgegenzutreten“ 141. Unter dem Eindrücke dieser Volksaufstände und ihrer Gegen­schläge erhebt sich gegen den Geist von Frankfurt gleichsam als Epilog noch eine letzte Kundgebung Radetzkys. Am 18. Mai 1849 richtete er an den ehemaligen Abgeordneten Dr. Herz ein Schreiben, in dem er — eine Fortsetzung seiner Gedanken, die ihn mit dem preußischen Gardekorps verbanden, dessen Truppen eben jetzt in Dresden 142 gekämpft hatten — „die deutsche Treue in den Herzen deutscher Krieger“ aufrief gegen die Anarchie, welche „die Mitglieder dieser Versammlung hinter Barrikaden organisiert“ hätten 143. 133 Augsb. Alig. Zeitg. vom 5. Mai 1849, S. 1920. — 130 Augsb. Alig. Zeitg. vom 25. Mai 1849. — 137 Augsb. Alig. Zeitg. vom 12. April 1849, S. 1611. 138 Augsb. Alig. Zeitg. vom 17. Mai 1849. 139 Berichte der Alig. Zeitg. vom 9., 10. und 12. Mai 1849. Es ist das Alexander-Garde-Regiment, das in Dresden eingreift. Der Kaiser von Österreich hat damals den in Dresden kämpfenden preußischen Offizieren hohe österreichische Auszeichnungen verliehen, so erhielt der Hauptmann Constantin v. Alvensleben für seinen Sturm auf die Spiegelfabrik das Ritterkreuz des Leopoldordens (Thilo, Krieg, C. v. Alvensleben, S. 21). 140 Augsb. Alig. Zeitg. vom 10. Mai 1849. 141 Augsb. Alig. Zeitg. vom 12. Mai 1849. — 142 Siehe Anmerkung 139. 143 Dankbrief an den ehemaligen Abgeordneten Dr. Herz in Wien für eine Glückwunschadresse zu dem Tage von Novara. Veröffentlicht im „Lloyd“ und in der „Presse“ (29. Mai 1849) und in der Augsb. Alig. Zeitg. vom 31. Mai 1849. Er lautet unter Weglassung der Einleitung, wie folgt: „Die Dinge in Frankfurt haben eine Richtung genommen, die zwar nicht überraschen kann, aber doch jedes 3 33

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