Historische Blätter 4. (1931)
Ferdinand Bilger: „Großdeutsche“ Politik im Lager Radetzkys
Adresse noch einen persönlichen Brief an den Feldmarschall beigefügt hatte 122. Greifen wir aus dieser Antwort Radetzkys, die zunächst wieder auf Erinnerung und Tradition der alten Waffenbrüderschaft gegen Frankreich zurückgriff, jene Stellen heraus, welche dem unmittelbaren Erlebnis der Gegenwart galten. Es sind die folgenden Sätze: „ .. . noch einmal hat das preußische und österreichische Heer Deutschland vom Untergänge gerettet, als sie mit treuer Brust die Throne ihrer Herrscher deckten, an deren Stufen schon eine wilde Demagogie zerstörend pochte. Könnte je Bruderzwist diese Heere noch einmal spalten, dann ist es auf immer um Deutschlands Größe und Einigkeit geschehen, denn nicht mit Theorien, nicht mit Deklamationen bekämpft man den inneren und äußern Feind, das beweist das Land, auf dessen Boden ich jetzt stehe. Doch dahin wird es nicht kommen, so lange noch an der Spitze deutscher Heere deutsche Fürsten stehen. Ja, Deutschland soll groß, soll frei, soll mächtig sein, aber es soll es mit und durch seine Fürsten sein, denn nur durch Eintracht, nicht durch Zwiespalt kann dieses hohe Ziel erreicht werden . . . Auch in unserer Brust schlägt ein stolzes deutsches Herz und Niemand räumen wir das Vorrecht ein, deutscher zu empfinden als wir, aber wir kennen die Geschichte unserer inneren Spaltungen, wir wollen nicht, daß diese unglücklichen Zeiten sich wiederholen sollen ... Ob Fürsten-Ehrgeiz oder aufgewiegelter Volksgeist uns in Bruderzwist und Verderben stürzen, das gilt gleich 123.“ Besucht gemacht. Augsb. Alig. Zeitg. vom 15. Dezember 1848. Die gesperrt gedruckte Nachricht der Augsb. Alig. Zeitg. vom 7. April 1849 über den späteren König und Kaiser Wilhelm hätte vielleicht zu Bedenken Anlaß geben können: „Der Prinz von Preußen soll eine der deutschen Nationalversammlung günstigere Antwort innerhalb weniger Tage in Aussicht gestellt haben.“ Vgl. Erich Mareks, Kaiser Wilhelm I. 92. 122 Radetzky an Schwarzenberg a. a. O. 123 g)er nächste Satz ist dann sogleich der Beginn des Schlusses: „Empfangen Eure königliche Hoheit meine und meines Heeres Huldigungen usw.“ — Abschrift im Wiener Staatsarchiv. Gedruckt bei Hackländer, dem das Schreiben im Hauptquartier zu Mailand zur Kenntnis kam, a. a. O. II. 158 ff. Insbesondere in der Stelle „Ob Fürsten Ehrgeiz oder aufgewiegelter Volksgeist“ bezeichnende Gedankengänge Radetzkys selbst wiederholend, läßt das Schreiben leider den Verfasser nicht erkennen. Man denkt auch jetzt wieder an Schönhals, der aber in diesen Tagen, wie die Paraphen der Konzepte in der Operationskanzlei in Mailand zeigen, durch den Oberstleutnant im Quartiermeisterstabe Eberhard als Generaladjutant vertreten wurde. Die Wendung „Auch in unserer Brust schlägt ein stolzes deutsches Herz“ deutet auf den Verfasser der Zuschrift an den Abgeordneten Dr. Egger. 30