Historische Blaetter 3. (1921-1922)
Friedrich Engel-Jánosi: Die Anfänge des Prinzen Eugen
Bruder starb1; (ein zweiter war taubstumm) und ebenso auch Philipp, ein Bruder Eugens. Der Adel Frankreichs, dem mit Ausnahme des Militärdienstes jede Betätigung verschlossen war, blieb auf diesen Weg angewiesen, um sein Vermögen zu erhalten; bei den Rochefoucaulds wurde es Tradition, daß nur ein Sohn heiratete. So lange Eugen in Frankreich weilt, ist sein Schicksal geradezu typisch für den jungen französischen Adeligen; für die Aussichten, die sich ihm boten, wie für die Gefahren. Nur für den ältesten seiner Brüder war gesorgt; doch machte dieser durch die Heirat mit einer unehelichen Tochter eines Unebenbürtigen, alles zunichte, was die Familie sich von ihm versprochen hatte; er wurde enterbt. Die beiden anderen wollten ihren Lebensunterhalt beim Militär finden. Der jüngere Ludwig Julius, Chevalier von Sa- voye genannt, war schon im 13. Jahre von seinem Oheim nach Piemont gerufen worden^ um hier seine militärische Ausbildung zu erhalten. Die zwei Schwestern Eugens haben später alles, was an ihnen lag, getan, um die Wahrheit des Ausspruchs zu bekräftigen, daß Gott es sich besonders angelegen sein lasse, das Andenken der zwei großen Kardinäle Frankreichs durch das Leben ihrer Nachkommenschaft lächerlich zu machen. Da von Eugens Jugend wenig bekannt ist, wurde es bald üblich, einen ernsten, musterhaften, allem Vergnügen abgeneigten Jüngling zu konstruieren. Liselotte berichtet ganz anderes. Er galt als1 mutwillig, als „desbauchiert“; er machte Schulden. Das leichte Leben war Tradition im Hotel der Soissons. Man sagte von ihm, er wäre einer Ausschweifung verfallen, die in den Zeiten müde gewordener Erotik häufig wird. Was wir von seinem Umgang wissen, widerspricht dem Urteil nicht. Es ist das nicht wesentlich. Doch bleibt es schwer zu erklären, wie Eugen ohne glutvolle Leidenschaftlichkeit hätte sein können, er, der die Professorenstrategie der Wiener Feldherren zur Offensive umgeschmolzen, der als erster in der Schlacht den Angriff zum Galopp gesteigert hat. Akrobatenritte hat man in Wien seine militärischen Operationen noch genannt, als er berühmt geworden. Als er unbekannt fast und ohne Verdienst im kaiserlichen Lager eintraf, hat er den lebenslustigsten Heerführer dort, den Kurfürsten von Bayern, sofort für sich gewonnen. Die Erziehung zum Geistlichen machte ihn mit den Fragen der Philosophie bekannt; dabei umgab ihn eine gepflegte Kultur. War 1 Nach La Chesnay, Dictionnaire de la noblesse. Eine andere Version bei Schulte, S. 474. 43