Historische Blaetter 3. (1921-1922)

Friedrich Engel-Jánosi: Die Anfänge des Prinzen Eugen

der Verkehr mit den beiden Contis längere Zeit hindurch herzlich, so hat Eugen von ihnen, die ebenso geistreich und gebildet als ge­nußsüchtig waren, vielerlei geistige Anregung erfahren. Besonders vom jüngeren Conti ist es aufgefallen, wie wohl er sich seine Freunde zu wählen verstand. Doch scheint Eugen nicht den sprühenden Geist, die Gabe des Bonmots, die in Versailles vor allem galt, besessen zu haben. Er spielte in der Gesellschaft keine Rolle. Sein späterer Gegner auf dem Schlachtfeld, Villars, hat 1689 bei einer Überschau über die Generalität Kaiser Leopolds von ihm geschrieben, er hätte mehr Verstand als Esprit. Die Beziehungen des Königs zu Olympia hatten sich bald als unbeständig erwiesen. Die Italienerin arbeitete mit allen Mitteln, um ihre Stellung, zu erhalten, um ihre Nebenbuhlerinnen zurückzu­weisen. Zweimal war sie mit ihrem Mann aus Paris verbannt worden. 1673 starb der Graf plötzlich; nun wurde es klar, wie sehr sich die Lage für Olympia geändert hatte. Es wurden Stimmen laut, die sie beschuldigten, ihren Mann durch Gift aus dem Weg, geschafft zu haben; und der König verlieh das Gouvernement, das der Graf inne • gehabt hatte, nicht an den Sohn, wie die Familie .erwartet hatte. Dadurch fiel ein bedeutender Teil ihres Einkommens fort. In diesem Jahrzehnt spielte das Gift in der großen Gesellschaft Frankreichs eine besonders wichtige Rolle. Wo man alles von fremder Gunst oder Mißgunst erwartete, lag die Versuchung nahe, alle Waffen zu gebrauchen, um das Geschick nach Wunsch zu meistern; „das Menschenleben war zu einem Handelsartikel geworden“. Im März 1679 wurde die größte Giftmischerin, La Voisin genannt, verhaftet. Am nächsten Tag hätte der zweite Versuch stattfinden sollen, den König selbst zu vergiften. Frau von Montespan, die sich von Ludwig verlassen fühlte, hatte diese Rache befohlen. Unglaublich weite Kreise zog der Prozess der La Voisin; im Mittelpunkt aber standen die Frauen, die beschuldigt wurden, daß sie mit Zauber und Gift ver­sucht hatten, die Liebe des Königs zu zwingen. Ludwig XIV., im Innersten getroffen, hat die Ehre der Frau von Montespan geschont; er hat die meisten Akten vernichtet. Olympia ließ er durch ihren Schwager warnen, der Haftbefehl gegen sie war bereits unterzeichnet. Noch in derselben Nacht, am 24. Jänner 1680, flüchtete die Gräfin aus Paris; ihre Kinder ließ sie bei der alten Prinzessin von Carignan zurück. Für Olympia galt der Satz La Bruyéres nicht mehr, man dürfe es nicht als völlig ausgeschlossen betrachten, daß eine Person, die in Gunst stehe, einen Prozess verlieren könnte. Sie war längst

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