Historische Blaetter 3. (1921-1922)
Friedrich Engel-Jánosi: Die Anfänge des Prinzen Eugen
Die Jugend des Prinzen Eugen, der im zwanzigsten Jahr 'seine Heimat verläßt, endet zugleich mit einer Epoche Frankreichs; in das Jahr 1683 fällt der Tod der Königin und der Colberts. Was Eugen in Paris erlebte, das waren eben die Jahre des höchsten Glanzes. Schon den Zeitgenossen ist das bewußt geworden; der Abbé Choisy sagt, daß Ludwig mit dem Friedensschluß zu Nimwegen den Gipfel menschlichen Ruhmes erreicht hatte. Und Eugen hat lediglich solche Zeiten in Frankreich erlebt; 1663 geboren, hat er von der Fronde nur gehört; gesehen hat er ein unergründlich festes, schattenloses Sonnenkönigtum. Für alle Zeiten blieb ihm die absolute Monarchie selbstverständlich. Ludwig XIV. hatte im Innern gesiegt; nicht mehr die Macht, der Titel war nunmehr’ der Stolz des Adels; der Klerus war 1682 zur Huldigung zusammengetreten; das Heer war neu organisiert, die Marine fast erschaffen; Vauban legte den Festungsgürtel um das Land. Ludwig XIV. hatte nach außen gesiegt; die sieben Kriegsjahre waren eine Kette von Triumphen. Man kannte die Kritik nicht, die Condé und Turenne an sie gelegt haben; die Welt jubelte dem König zu, der so viele Städte eroberte. Den Monarchen aber beherrschte durch dreizehn Jahre im blendenden Glanz die Marquise von Montespan. Eine Gemeinschaft entstand an dem Hof nicht; jeder blieb einsam; man hatte einen Zweck, die anderen waren die Rivalen. Man hat Versailles einen Ort genannt, wo die Freuden sichtbar sind, jedoch unwahr, die Schmerzen verborgen und wirklich. Ein schneidender Pessimismus lagerte sich dort fest; La Bruyére spricht davon, daß eine sehr schlechte Meinung von den Menschen zu haben, sie gut kennen heißt. Die äußere Erscheinung Eugens ist oft geschildert worden; die Berichte Liselottes, der Schwägerin Ludwigs, aus späteren Jahren sind dafür maßgebend. Klein, schmächtig; die leuchtenden Augen fallen auf. Er hat eine Stumpfnase; die Oberlippe ist zu kurz; man sieht ständig die zwei Vorderzähne. Er geht, obwohl auch der König seit 1673 die Perücke trägt, mit seinem glatten, schwarzen Haar. Auf sein Äußeres scheint er nicht viel gehalten zu haben. Seine Brust war schwach. In späterer Zeit (1690) hat eine recht wählerische deutsche Prinzessin, die mit Eugen vermählt werden sollte, an seiner äußeren Erscheinung nichts getadelt. Die Eltern hatten ihn für den geistlichen Stand bestimmt; für einen Nachgeborenen aus adeligem Hause war es 'fast selbstverständlich. Auch sein Vater sollte Geistlicher werden, ehe ein älterer