Historische Blaetter 3. (1921-1922)
Friedrich Engel-Jánosi: Die Anfänge des Prinzen Eugen
jedenfalls im Be;amten- und Mi 1 i tiirschematismus Frankreichs eine Rolle; manches in der steten ruhigen Pflichterfüllung des Sohnes scheint auf ihn zurückzuweisen. Ungleich bekannter, auch bedeutender war die Mutter Olympia Mancini; auch das Schicksal ihres Mannes hing zum großen Teile von ihr ab. Man sagt, in ihr hätte etwas von dem Feuer ihres Oheims, des Kardinals Mazarin, geglüht. Sie hat — auch Zeitgenossen, die ihr schmeicheln wollten, bestätigten dies — weniger durch Schönheit, als durch Geist und Anmut die vielen Männer, die ihr zu Füßen lagen, zu beherrschen gewußt, und zu diesen gesellten sich der große Oranier zu einer Zeit, als Olympia in Verbannung und Unglück lebte. Als ersten aber hatte isie den jungen Ludwig XIV. gefesselt, mit dem sie zusammen erzogen wurde. Die Neigung war offensichtlich, es wurde von Heirat gesprochen. Während die Leidenschaft immer mächtiger zu werden schien, wurde die Verlobung Olympias mit dem Grafen von Soissons beschlossen. Der König blieb aber auch nach der Hochzeit, auch nach seiner] Heirat täglicher Gast bei der Gräfin. Die Beziehungen Olympias zu der Prinzessin von Carignan, ihrer Schwiegermutter, in der vor allem die nleue Familie ihr entgegentrat, waren nicht gute,, und sie hätte mit ihr die Wohnung, das Hotel Söissonsi, zu teilen. Die Heirat mit der Nichte des allmächtigen Ministers war erstrebt worden, gewiss; doch durfte eine Mancini nicht darauf rechnen, als ebenbürtig von einer Familie angesehen zu werden, die sich den Rang unmittelbar nach den Prinzjen von .Geblüt errungen, die sich das Recht erworben hatte, zu Gelegenheiten bedeckten Hauptes vor ihrem König zu stehen. Die alte Prinzessin hatte in schweren Zeiten ungewöhnlichen Mut gezeigt; auch im täglichen Leben und noch im hohen Alter von leidenschaftlicher Energie, galt sie als herrschsüchtig und launenhaft; sie war in der Gesellschaft nicht beliebt. Die Gräfin wie die Prinzessin lebten in der Hofluft; der Erfolg bedeutete ihnen alles. Beide — und in ihren Händen hauptsächlich ist die Erziehung des Prinzen Eugen gelegen — waren Frauen, in deren Herzen nach dem Ausspruch La Bruyéres es etwas noch Lebendigeres und Stärkeres als Liebe gab: den Ehrgeiz und die Leidenschaft fürs Spiel. Nichts glich, so sagt Saint Simon, der Pracht, in der Olympia zur Zeit ihrer Gunst lebte. Sie war die ungekrönte Königin, sie war die Herrin in allen Festen, die Herrin über alle Gnaden, inmitten eines Hofes, dem ein zum Herrscher Geborener das Schauspiel eines in allem königlichen Lebens gab. Man weiß, daß für die Familie in Versailles keine Zeit bleiben konnte. 41