Historische Blaetter 3. (1921-1922)

Edmund Friess: Der steirische Erzberg. Eine geschichtliche Skizze

Vertrag der Radgewerken am 29. Juni 1829 unterfertigt, im Jahre 1871 zum „Vordernberger Erzbergverein“ umgeformt worden war, übernahm alle Radwerke bis auf das Baron Eggersche, das Josef von Friedau gehörte und erst im Jahre 1872 sich dazu gesellte, zu gemeinschaft­lichem Eigentume. Nun erlebte die Vordernberger Eisenindustrie einen neuen Aufschwung, wozu der im Jahre 1834 eingeführte Freihandel noch wesentlich mitgewirkt haben dürfte \ Eine gewisse Freizügigkeit hatte allerdings schon die Aufhebung der Roheisenwidmung im Jahre 1782 gebracht. Denn nach ihr waren die Vordernberger Radmeister zur Liefe­rung ihres Roheisens nicht mehr an bestimmte Hämmer gebunden. Doch durften sie nur befugte versorgen. Die Erbauung von Hochöfen mit Dampfbetrieb, deren erster in den Jahren 1853 und 1854 in Vordemberg errichtet wurde, steigerte die Tageserzeugung eines Radwerkes auf 400 Zollzentner Flossen. Dieser wirtschaftliche Aufstieg wäre jedoch un­denkbar gewesen, wenn nicht ein geschultes berg- und hüttenmännisches Personal den Hebel hiezu in Bewegung gesetzt hätte. Seit dem Jahre 1838 bestand in Vordernberg eine landsteirische montanistische Lehr­anstalt, die gleichfalls auf das Einwirken des Erzherzogs Johann hin begründet worden war, dann später verstaatlicht wurde und nach Leoben verlegt, zur heutigen Bergakademie sich ausgestaltet hat. Die Erzförderang war auf der Eisenerzer Seite bis in die Siebziger­jahre des 19. Jahrhunderts immer fast um ein Drittel, ja zeitweise sogar, besonders im 18. Jahrhunderte, um die Hälfte gegenüber der des Vordern­berger Abbaues zurückgeblieben. Erst seit dem Jahre 1870 ging sie anhaltend aufwärts und überflügelte seit dem Jahre 1882 endgültig die Vordernberger Förderung. Nach Karl Redlichs Annahme betrug die jährliche Gesamterzeugung des Erzberger Eisenerzes im 17. Jahr­hunderte durchschnittlich etwa 9000 Tonnen, im 18. Jahrhunderte 36.000 Tonnen, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts 74.600 Tonnen. Während der Erzberger Gesamtabbau noch im Jahre 1848 von ihm mit 80.634 Tonnen angegeben wird, stieg er im Jahre 1910 auf fast 1,700.000 Tonnen an und machte 6411% der jährlichen Eisengesamt­produktion in der österreichischen Reichshälfte aus. Und seither war noch eine andauernde Aufwärtsbewegung bis zum Ausbruche des Welt­krieges im Jahre 1914 zu bemerken \ / 1 Vgl. neben A. v. Pantz, Die Gewerken a. a. O., noch Georg Göth, Vordemberg in der neuesten Zeit. Wien 1839. ’ Vgl. Karl A. Redlich, Der steirische Erzberg. Eine montangeologische Studie. In den Mitteilungen der Geologischen Gesellschaft in Wien, 9. Bd. (Wien 1916), besonders S. 58—62.

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