Historische Blaetter 3. (1921-1922)
Edmund Friess: Der steirische Erzberg. Eine geschichtliche Skizze
Dieses Emporschnellen in der Produktion war nur durch Investierung von sehr großen Kapitalien und durch Anwendung der neuesten technischen Verfahren, die die großartigen ungeahnten Erfindungen des 19. Jahrhunderts im Eisenwesen hervorgerufen haben, ermöglicht worden. Über Riesenkapitalien, wie sie die Multimillionäre in den Vereinigten Staaten von Nordamerika durch Anhäufung von weitausgedehntem Grundbesitze in einer Hand, durch Eisenbahnbauten. durch Bergwerks- untemehmungen und überhaupt durch die freilich oft schon zu sehr ausgeprägte Vielseitigkeit ihres Geschäftsbetriebes, verbunden mit einer ruhelosen Ausdauer bis an das Lebensende im 19. Jahrhunderte erwarben *, verfügten auch die reichsten Großindustriellen in Österreich nicht. Nur durch Gründung von montanen Industriegesellschaften konnte die Produktionsfähigkeit des Erzberges noch mehr gehoben werden. So ging denn seit dem Beginne der Sechzigerjahre des 19. Jahrhunderts ein Vordemberger Hochofen samt Radwerk nach dem andern in den Besitz von neugebildeten Gesellschaften über. Die Vordernberg- Köflacher Montanindustrie-Gesellschaft erwarb drei, die St. Ägydi- Kindberger Eisen- und Stahlindustrie-Gesellschaft zwei solcher Hochöfen. Beide Unternehmungen wurden im Jahre 1881 mit der steirischen Eisenindustrie-Gesellschaft und der Hüttenberger Aktiengesellschaft zu der Österreichischen Alpinen Montangesellschaft zusammengeschweißt. Diese kaufte den Pauer von Friedau’schen Werksbesitz (1884) auf und übernahm im Jahre 1889 nahezu die Gesamtförderung des steirischen Erzberges. Schließlich ging noch im Jahre 1907 der Erzberganteil des Karl Peintinger’schen Radwerkes in Vordemberg an sie über. Die Innerberger Hauptgewerkschaft, die zur Zeit ihrer Gründung (1625) der größte in Österreich bestehende gesellschaftliche Großbetrieb war, hatte besonders durch die noch im 17. Jahrhunderte eingetretene Unterordnung der gewerkschaftlichen Beamten (besonders der Ober- vorgeher und Vorgeher) unter das landesfürstliche Kammergrafen- (1627 bis 1747) und spätere Oberkammergrafenamt (1747—1782) schwer zu leiden gehabt Diese Abhängigkeit war hervorgerufen worden durch den Niedergang des Eisenwesens, den die kapitalsarme Stadt Steyr bei dem anhaltenden Stocken des Eisenverschleißes, der ständigen Teuerung und der Unredlichkeit der Gewerkschaftsbeamten nicht zu verhindern vermocht hatte. Das Landesfürstentum hatte seinen Einfluß verschärft (durch das Additionale 1669) und das Eisenwesen wieder flott gemacht (1691). Später freilich war der Einfluß des Kammergrafen, der 1 Vgl. Gustavus Myers, Geschichte der großen amerikanischen Vermögen. 2 Bde. Berlin 1916. (In deutscher Übersetzung.) ÍZL