Historische Blaetter 3. (1921-1922)

Edmund Friess: Der steirische Erzberg. Eine geschichtliche Skizze

gau und in die Schweiz1, ferner im Murtale über Graz nach Marburg a. d. Drau, nach Pettau und Ungarn, anderseits durch das Lavanttal über Kärnten (Klagenfurt) und Krain (Laibach) nach Italien, und zwar in die Romagna, nach Neapel und Sizilien. Der Julimarkt zu Sinigaglia war vom IG. bis zum 18. Jahrhunderte der Hauptmarkt für das steirisch- kärntnerische und krainische Eisen auf der apenninischen Halbinsel2. Diese im Herzogtum Urbino am Adriatischen Meere gelegene Stadt war klein; sie zählte in den Sechzigerjahren des 18. Jahrhunderts etwa 4000 bis 5000 Bewohner, schwoll aber zur Messezeit auf 20.000 an. Vor der Stadt, längs des Steindammes beim Kanäle, dem der Misafluß sein Wasser lieh, lag eine große Anzahl von Magazinen, die zur Feilhaltung der Eisen waren in Verwendung standen3. Doch bröckelte das italienische Absatzgebiet im 18. Jahrhunderte stark ab, da das österreichische Eisen im schwedischen einen billiger liefernden Konkurrenten gefunden hatte. Schuld daran trugen die hohen Preisaufschläge, der landesfürstlich privilegierten orientalischen Han­delskompagnie, die fast den ganzen Eisenhandel dahin bei sich kon­zentriert hatte. Nur das krainische Eisen konnte sich dort behaupten. Dessen Verkäufer war Michael Angelo Zois aus Laibach, eine best- bekannte Persönlichkeit in Sinigaglia. Alljährlich erschien er dort zur Messe und überbot alle zugereisten Kaufleute an Warenumsatz. Setzte er doch dort im Werte von 40.000 bis G0.000 Scudi Eisen ab, das von da im ganzen Kirchenstaate und an der Ostküste des Königreiches Neapel verschleißt wurde! Die gesamte Geldzirkulation einer dortigen Krems bei Gmünd in Kärnten, die Abnehmer in einigen Handelsleuten von Oberdrauburg (in Kärnten) hatten, die Straße nach Tirol undi ins Erzstift Salzburg gesperrt. Ebenda, Februar 1553, fol. 40 v. Auch ins ob-der-ennsische Traun viertel (Hallstott) lieferten die Leobener Hammermeister Stangeneisen und Blech. 1553, Februar. Ebenda, fol. 24 v. ’ Vgl. neben Ludwig Bittner a. a. O. auch H. J. Bidermann, Die Verkehrs­beziehungen der Stadt Leoben zu den westlichen Alpenländern vom 16. bis zum 19. Jahrhunderte. In den Mitteilungen des historischen Vereines für Steiermark, 22. Heft (Graz 1874), S. 20 ff. 3 Vgl. Franz Martin Mayer, Zur Geschichte der österreichischen Handels­politik unter Kaiser Karl VI. In den Mitteilungen des Institutes für österrei­chische Geschichtsforschung, XVIII. Bd. (Innsbruck 1897), S. 131, sowie Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen, 24. Jahrg. (Graz 1892), S. 8. — 1783 ersucht der Bevollmächtigte der Triestiner ostindischen Handlungsgesellschaft, Freiherr von Stegner, die Hofkammer in Münz- und Bergwesen um Freigabe des in der Stadt Friesach (in Kärnten) erkauften und in Laibach angehaltenen Roheisens. Dekret an das innerösterreichische Gubernium vom 16. Oktober 1783. Commerz-Index, Litorale 1782—1783, Hofkammerarchiv in Wien. 3 Vgl. „Des Grafen Karl von Zinzendorf eingesammelte Nachrichten, den Handel und Warenzug in dem untem Teile Italiens betreffend, 1765“. (= Italien III. Teil). Kod. Nr. 303 des Hofkammerarchivs in Wien, 0“, S. 123, 132. 28 : 415

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