Historische Blaetter 3. (1921-1922)
Edmund Friess: Der steirische Erzberg. Eine geschichtliche Skizze
Messe wird im Jahre 1765 auf drei Millionen Scudi oder 6,400.000 fl. eingeschätzt1. Der Ausfall des italienischen Absatzgebietes wurde wettgemaeht durch die Eisen- und Stahlwarenausfuhr in die Levante, die vorwiegend griechische Händler von Triest, doch noch mehr von Venedig aus besorgten. Sie war, von kleinen Schwankungen abgesehen, in der Maria- Theresianischen Zeit ansteigend aufwärts gegangen2. Die österreichische Eisenindustrie genoß ja im Auslande einen vorzüglichen Ruf. Es ist bezeichnend hiefür, daß im Jahre 1780 der Großmeister des Johanniterordens zu Malta 50 bis 60 eiserne Kanonen für den Orden bei den erbländischen Gußwerken zu erwerben nachsucht3. Die ungarische Eisenindustrie spielte keine hervorragende Rolle; erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts begann sie der Hauptgewerkschaft einige Konkurrenz zu bereiten. Auch sonst war Ungarn damals und noch lange später ein fast industrieloses Land, das die österreichische Regierung als Agrarboden zur Deckung der österreichischen Bedürfnisse belassen wollte, wenn auch unter Maria Theresias Zeiten Vorkehrungen zu Verbesserungen des bestehenden Kommerz- und Manufakturwesens in Ungarn und in Siebenbürgen getroffen worden sind4. Anders stand es mit den ergiebigen sudetenländischen Eisenbauen, die hauptsächlich in den Händen hochadeliger Familien sich befanden und der Überwachung durch landesfürstliche Organe daher mehr entrückt waren'1. 1 Ebenda, S. 131 und 137. Ferner August Fournier, Eine amtliche Handlungsreise nach Italien im Jahre 1754. Im Archiv für österreichische Geschichte, 73. Bd. (Wien 1888), S. 259—260. Michael Angelo Zois hatte damals fast alle kärntnerischen und krainischen Eisenwerke gepachtet. 2 Vgl. August Fournier, Historische Studien und Skizzen, 2. Bd., S. 67, sowie Marianne v. Herzfeld, Zur Orienthandelspolitik Österreichs unter Maria Theresia in der Zeit von 1740—1771. Im Archiv für österreichische Geschichte, 108. Bd., erste Hälfte (Wien 1919), S. 244—245. a Commerz-Index, Litorale 1780/81, fol. 82 v, Hofkammerarchiv in Wien. 4 1771 bestanden in Siebenbürgen nur zwei Eisenwerke. Vgl. den Vortrag des Kommerzienhofrates und der siehenbürgischen Hofkanzlei an die Kaiserin. Überreicht am 19. März 1771. Orig.-Pap. im Hofkammerarchiv zu Wien, Ungar. Commerz., Fasz. 36. Doch Metallrohwaren, besonders Kupfer, wurden aus Ungarn nach Österreich viel geführt. 5 Die böhmische Eisenerzeugung, die im 14. Jahrhunderte dem steirischen Erzberge im eigenen Territorium Konkurrenz bereitete und deren Einfuhr aus diesem Grunde vom österreichischen Landesfürstentume verboten worden warT war im 18. und 19. Jahrhunderte sehr flott in die Höhe gegangen. Sie war jedoch auf Einzelbetriebe stets verteilt geblieben, ähnlich wie die unbedeutendere in Mähren und Schlesien. Vorwiegend hochadelige Herren, die zugleich die Grundherren dort waren, schürften in den Sudetenländern das Eisenerz und verhütteten es auf eigenem Boden. So die Fürsten von Fürstenberg, Liechtenstein, Dietrichstein, Salm, Trauttmannsdorf, Windischgrätz, Colloredo, Schönburg, die Grafen Harrach, Waldstein, Kolowrat, Thun, Bouquoy, Wrbna, Nostitz, Hartmann. Mittrowsky usw. Vgl. hiezu auch Johann Slokar, Geschichte der österreichischen Industrie und ihrer Förderung unter Kaiser Franz I. (Wien 1914), S. 441 ff.