Historische Blaetter 3. (1921-1922)

Edmund Friess: Der steirische Erzberg. Eine geschichtliche Skizze

Steyrer Kaufleute mehr Reichtümer als die Leobener sammeln, die Hammergewerken des Vordemberger Distriktes wohlhabender als die im Eisenerzer Gebiete seßhaften werden. Manche von den Vordern- berger Hammerherren waren so glücklich, zu Rauheisenverlegem in Leoben sich aufzuschwingen. Ausschlaggebend hiefür war auch das längere Bestehen einer bürgerlichen Eisenhandelsgesellschaft in Leoben, die im Jahre 1415 ins Leben gerufen, den Ansporn zum Erwerb ver­mindern mußte und wohl aus diesem Grunde später, im 16. Jahrhundert, wieder aufgegeben worden war. Beim Innerberger Eisenwesen blieb aber der Handel einer verhältnismäßig kleinen Anzahl von Steyrer Kauf­leuten, die neben den Hammergewerken auch viele Radmeister, welche von den Hammermeistern verlegt werden sollten, immer mehr durch feste Lieferungsverträge in wirtschaftliche Abhängigkeit zu bringen ver­mocht hatte, im Einzelbetriebe gewahrt, bis die mit der religiösen Strömung des 16. Jahrhunderts einsetzende soziale Richtung sowie die Erbteilung der österreichischen Lande im Jahre 1564, die besonders für die Rad- und Hammerwerksbesitzer schwere Zeiten heraufbe­schworen hatte, hier im Jahre 1582 zur Vergesellschaftung drängte, und zurückgreifend auf das alte Bürgerprivileg vom Jahre 1287, die Er­weiterung des Verlegerkreises sich erzwang. Der Privathandel mit Eisenhalbfabrikaten hatte hier somit aufgehört. Dafür hatten die ärmeren und daher vernachlässigten Radmeister und Hammergewerken des Innerberger Gebietes die Zusicherung des Absatzes ihrer Produkte erreicht. Diese Steyrer Eisenhandelskompagnie übernahm den Eisen­verlag und -vertrieb als staatliches Monopol, in die auch die um 1516 begründete Gesellschaft des gestreckten Stahles, die den Verlag der Streckhämmer übernommen hatte, einverleibt worden war. Allein in den bewegten Zeiten des unseligen Glaubenskampfes, der zu den großen Auswanderungen der staatlich unterdrückten protestantischen Handels­herren, der Rad- und Hammermeister, der Berg- und Hüttenarbeiter nach Deutschland (vorwiegend nach Regensburg und Nürnberg) und zur Ankunft katholischer neuer Männer aus Schwaben, Tirol, Kärnten und Krain geführt hatte *, war auch die von den Eisenhändlem geleitete Geschäftsführung von schlechten, rein egoistischen Motiven gelenkt. Die kriegerischen Wirren, der finanzielle und überhaupt wirtschaftliche Tiefstand des österreichischen Territoriums dürfen bei der Beurteilung der Lage, in der sich diese Handelskompagnie befand, nicht übersehen werden. Mit der Rekatholisierung Steyrs im Jahre 1625 ver- 1 1 J. Loserth meint, daß dadurch die Eisenindustrie nur qualitativ geschädigt

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