Historische Blaetter 3. (1921-1922)
Edmund Friess: Der steirische Erzberg. Eine geschichtliche Skizze
Stadt Waidhofen a. d. Ybbs in ihrem von altersher betriebenen Eisen kauf, da nur der Roheisenbedarf ihrer Kleineisenindustrie weiterhin gedeckt werden durfte (1501). Bloß die in den welschen Hämmern gewonnenen Abfallprodukte, die im 16. Jahrhunderte 15 bis 20 Prozent der Gesamtproduktion ausmachten, im Tauschhandel gegen Lebensmittel geliefert wurden und daher Proviantsorten hießen, hatten nicht den Umweg über Steyr zu passieren, sondern wurden kurzerhand von den Hammerwerken in die Zerrennhämmer des oberen Ybbs- und des Erlauftales geführt, wo sie gefrischt wurden. Sie waren die Domäne der Eisen- und Provianthändler der drei nieder österreichischen Märkte Scheibbs, Purgstall und Gresten, die die welschen Hammermeister mit Proviant und Getreide, die Zerrennhammermeister mit Abfalleisen versorgten. Und während im 16. Jahrhunderte noch der Zerrennliammer- meister als freier Verkäufer seiner Waren auftrat, wurde er später meist zum Lohnarbeiter des Provianthändlers herabgedrückt. Dieser kleine Verlagsring wurde noch im 16. Jahrhunderte als Abschluß eines nicht allzu langen Entwicklungsprozesses geschlossen. Das Vorbild war schon da: Die Vollendung des großen, den die Steyrer Eisenhandelsleute auf Grund ihres Privilegiums von 1287 schmiedeten, war bereits dank der landesfürstlichen Fürsorge, die die praktische Ausweitung des Rechtes eifrig betrieb und geschehen ließ, in den wichtigsten Umrissen vollzogen, als das 16. Jahrhundert begann. Es war begreiflich, daß zu dieser aus den Steyrer Kaufleuten, den Innerbergischen Radmeistern und Hammergewerken bestehenden Kette auch die Provianthändler in ein soziales Verhältnis zu treten suchten, da ihre wirtschaftliche Gebundenheit sie dazu a uff orderte. Es ist allerdings nur eine losere Verbindung zustande gekommen; als viertes Glied erscheinen diese Provianthändler im 17. Jahrhundert öfter genannt. Nicht so glücklich wie Steyr schnitt Leoben a. d. Mur in seiner frühen Eisenhandelsentwicklung ab. Gleichwohl war es die Niederlagsstätte für das Vordernberger Eisen. Der einschneidende Unterschied gegenüber dem Steyrer Stapel lag darin, daß die Hammergewerken des Vordernberger Bezirkes zwar von den Leobener Rauheisenverlegem mit Eisen versorgt werden mußten, aber Freihandel mit ihrfen Erzeugnissen betreiben konnten, während die Innerbergischen Hämmer an den Verlag der Steyrer Kaufleute gebunden wurden. Die Eisenerzer Radmeister wurden von den Innerberger Hammermeister mit Geldvorschüssen und Proviant bedacht, und dafür ihre Waren verlegt, die Vordernberger von den Rauheisenverlegem Leobens. Und da nun einmal nur aus dem Handel, der hier im Verlagsisysteme ge- . handhabt wurde, große Vermögen erwachsen konnten, so mußten die 107