Historische Blaetter 3. (1921-1922)

A. Hessel: Die Politik König Albrechts I. Innerdeutsche Probleme und das Verhältnis zu Frankreich und Italien

Schönen zur Teilnahme am Kriege zu bewegen, die aber erfolglos blieben Um den rebellischen Fürsten des Nordens einen Feind im Rücken zu erwecken, gab Albrecht dem Erich von Dänemark die Reichsgebiete jen­seits Elbe und Eide preis durch Erneuerung des berüchtigten Vertrages, mit dem einst Kaiser Friedrich II. die Bundesgenossenschaft König Waldemars gewonnen hatte. Doch erwuchs daraus dem Habsburger kein greifbarer Vorteil. Dafür unterstützten ihn die beiden Rivalen der Prze- mysliden, Lokietek und Karl Robert. Der Piaste unternahm einen Einfall in Polen; der Anjou zwang Wenzel, seinen Sohn aus Ungarn nach Hause zurückzuführen, stieß dann zum Heere Albrechts. Dieser hatte inzwischen die eigenen militärischen Rüstungen mit ähn­lichem Eifer betrieben wie drei Jahre zuvor. Sieben Monate lang durch­zog er die oberdeutschen Gaue vom Main bis zu den Alpen, während in Österreich und Steiermark sein Sohn Rudolf Truppen sammelte. Der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Niederbayem, Eberhard von Württem­berg und andere weltliche Große sowie die meisten süddeutschen Kirchen­fürsten leisteten Heeresfolge. Schon damals gelang es, Pleißnerland und Eger zu besetzen; auch hatte der König den Vögten von Plauen und Gera den wichtigen Straßenknotenpunkt Regnitz-Hof entzogen, bedrohte so Böhmen von der nordwestlichen Flanke her. Den gegen ihn vereinigten Kräften schien Wenzel erliegen zu müssen, wie einst sein Vater Ottokar. Aber diesmal entschied das Kriegsglück gegen Habsburg. Den Einmarsch verzögerte die Disziplinlosigkeit eines Teiles des ungarischen Kontingents, der heidnischen Cumanen. Dann machten sich, infolge der weit vorgeschrittenen Jahreszeit — erst Anfang Oktober erfolgte der Einmarsch in Böhmen — die schwierigen Terrain­verhältnisse des Landes besonders nachteilig geltend. Auch hielt sich der Feind in der Defensive, selbst als Albrecht das wichtige Streitobjekt Kuttenberg bedrohte. Schließlich fehlte diesem Unternehmen das gemein­same Ziel, das wie bei dem rheinischen Feldzuge die Massen hätte be­geistern können. Mehrere Fürsten folgten sogar nur widerwillig des Königs Fahnen. Das war einmal der zu den ältesten Gegnern Albrechts gehörende Herzog von Niederbayem, ferner Eberhard von Württemberg, der, bei der eigenen Arrondierungsarbeit durch das Vordringen der habsbur­gischen Hausmacht in Schwaben gestört, sich schon gegen König Rudolf erhoben hatte. Ihnen gesellte sich der ebenso ehrgeizige wie un­1 Die Verhandlungen müssen in den ersten Monaten des Jahres 1304 stattgefunden haben, nicht im voraufgehenden Frühjahr, wie vielfach angenommen wird. 91

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