Historische Blaetter 3. (1921-1922)

A. Hessel: Die Politik König Albrechts I. Innerdeutsche Probleme und das Verhältnis zu Frankreich und Italien

bedeutende Heinrich von Kärnten. Unter Aufgabe der traditionellen Politik seines Hauses verlobte er sich mit einer Tochter Wenzels, um so die Anwartschaft auf den böhmischen Thron zu erlangen. Da nun auch Württemberg und Niederbayem auf die Seite der Przemysliden traten, sah sich Albrecht im Sommer 1305 einer weit stattlicheren Fürsten­koalition gegenüber als ein Jahr zuvor. Aber am 21. Juni starb Wenzel H. und hinterließ die Herrschaft seinem kaum sechzehnjährigen, gleichnamigen Sohn. Jetzt zeigten sich die Gegner zum Frieden be­reit, und Albrecht mäßigte klug seine Forderungen. Er erkannte Wenzel III. als König von Böhmen und Polen an, ignorierte nur sein Anrecht auf Ungarn, wofür dieser die Brandenburger veranlaßte, gegen anderweitige Entschädigung Meißen herauszugeben. Eberhard von Württemberg wurde erst nach einer erfolglosen Strafexpedition im nächsten Frühjahr wieder zu Gnaden angenommen. Nach der vorläufigen Beendigung des böhmischen Konflikts ge­dachte der Habsburger seine schon ansehnliche Machtstellung in Mittel­deutschland noch weiter auszubauen. Seit der Wahl betrachtete er sich als König Adolfs Rechtsnachfolger in Thüringen, hätte 1298 die Wet­tiner mit ihren Gegenvorstellungen abgewiesen, auch während der ganzen weiteren Regierung die dortigen Vorgänge niemals aus dem Auge verloren. Sonst aber blieben, solange man vom Mainzer Erz­bischof und dem Böhmerkönig, die beide an der thüringischen Frage lebhaft interessiert waren, Opposition fürchten mußte, Landgraf Albrecht und seine Söhne Diezmann und Friedrich völlig ungestört. Nun erst, da in Prag der junge Wenzel regierte, dazu der Mainzer Stuhl durch den Tod Erzbischof Gerhards verwaist war, schien der günstige Augenblick zum Vorgehen gekommen. Die Städte, wie Nord­hausen und Eisenach, standen von vornherein auf des Königs Seite. Auch der Landgraf fügte sich und versprach im Juli 1306 die Auslie­ferung der Wartburg. Nur die Söhne widerstrebten, so daß gegen sie ein Heereszug angesagt wurde. Albrechts Pläne gingen noch weiter nordwärts. Er erhob gegenüber den Brandenburgern Ansprüche auf die Lausitz. Da rief ihn der plötzliche Tod Wenzels III. nach Böhmen. Der junge Fürst hatte im Verein mit Heinrich von Kämtien und. den • Herzogen von Niederbayem eine rege Tätigkeit entfaltet, war aber, auf Veranlassung einiger beleidigter Barone, am 4. August ermordet worden. Mit ihm erlosch das ruhmvolle Haus der Przemysliden. Diese ganz neue Situation ebenso rasch wie erfolgreich ausnutzend, erklärte Albrecht Böhmen für erledigtes Reichslehen und bestimmte es, ohne die Kurfürsten um ihre Zustimmung anzugehen, seinem Sohne Rudolf. Ob-

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