Historische Blaetter 3. (1921-1922)

A. Hessel: Die Politik König Albrechts I. Innerdeutsche Probleme und das Verhältnis zu Frankreich und Italien

Oster- und Pleißnerland sowie Eger überlassen, im Juni 1300 dann ihn mit allem, was er in Polen erobern würde, belehnt So erreichte er sein Ziel, Wenzel von den rheinischen Kurfürsten zu trennen. Noch während des Herbstes 1302 nahmen böhmische Truppen am Zuge gegen den Kölner teil. Damals aber waren schon die ersten vorbereitenden Schritte zum Frontwechsel getan. Zu ihnen gehörte die Verlobung einer Tochter Albrechts mit Woldemar von Brandenburg und der Abschluß eines Bündnisses mit Niederbayem. Auch hielt sich der eben genannte Kardinal Nikolaus in Wien am Hofe Herzog Rudolfs auf. Es war nämlich nicht bloß die steigende Feindschaft gegen Philipp den Schönen, die die Kurie zum Anschluß an Albrecht drängte, sondern gleichzeitig ihre parallel laufenden Interessen in der böhmisch-ungarischen Frage. Darum folgte auf die feierliche Anerkennung des Habsburgers unmittelbar der Urteilsspruch Bonifazens, der den Thronstreit zwischen Wenzel HI. und Karl Robert zu des letzteren Gunsten entschied. Als nun der Papst Albrecht aufforderte, den Anjou zu unterstützen, da fand diese Bitte, so lässig man sich auch Frankreich gegenüber zeigte, bereitwilligst Gehör; bedeutete sie doch den Kampf gegen den Erbfeind, dem bisher nur aus Not freie Hand gelassen worden war. Zunächst verlangte Albrecht — sind wir recht unterrichtet — den Verzicht auf Ungarn und Polen und die Herausgabe von Meißen und Egerland, erhob sogar Ansprüche auf die reichen Silberbergwerke von Kuttenberg. In den letzten Monaten des Jahres 1303 fanden Verhand­lungen statt, die natürlich resultatlos verliefen. Mit dem folgenden be­gannen auf beiden Seiten die Kriegsvorbereitungen. Wie vorher der Konflikt mit den rheinischen Kurfürsten sich aus der Feindschaft gegen den Kölner entwickelt hatte, so schien jetzt der Streit mit Böhmen zu einer Auseinandersetzung zwischen dem deutschen König­tum und der östlichen Kurfürstengruppe führen zu sollen. Bisher hatten Albrechts politische Ziele die Machtsphäre der Kurfürsten von Branden­burg nicht berührt. Markgraf Hermann war sein Schwiegersohn, Markgraf Woldemar sollte es werden. Auch hatte er ersteren mit dem einträglichen Schutz des Hansevororts Lübeck betraut. Aber eine ältere Interessen­gemeinschaft verband die Häuser der Askanier und Przemysliden — das hatten die Habsburger schon mehrfach erfahren müssen. Und da Wenzel den Markgrafen noch dazu Meißen überließ, zogen sie mit Truppenmacht nach Böhmen, brachten ferner die Herzoge von Sachsen-Lauenburg und Heinrich von Mecklenburg auf ihre Seite. Die Prager Regierung warb auch um ausländische Hilfe. Wir hören von Bemühungen, Philipp den

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