Historische Blaetter 3. (1921-1922)
A. Hessel: Die Politik König Albrechts I. Innerdeutsche Probleme und das Verhältnis zu Frankreich und Italien
den Kurfürsten geltend, der wenig später offen zutage trat. Die Erzbischöfe gerierten sich als den für den Schutz der Westgrenze verantwortlichen Reichsrat, dessen Weisungen Albrecht seine dynastischen Interessen unterzuordnen habe. Besonders war es Wikbold von Köln, der, unter Adolf zu den eifrigsten Förderern des englischen Bündnisses gehörend, einen Bruch mit der damals befolgten Politik nicht billigen konnte. Anders Albrecht. Er wünschte den Anschluß an Philipp, wodurch seine Stellung gegenüber den Kurfürsten gestärkt und das Ansehen seines Hauses erhöht würde, geschah es auch auf Kosten des Reiches. Wenn er ein Doppelspiel trieb, so richtete es sich nicht gegen Philipp, sondern gegen die Erzbischöfe. Bis die langwierigen Verhandlungen mit Frankreich zu einem vorläufigen Abschluß gelangt waren, fügte er sich scheinbar der kurfürstlichen Politik. So traf er sich damals auch häufig mit ihnen, befriedigte ihre persönlichen Wünsche und verteidigte ihre Rechte, besonders die des Kölners gegenüber den Ansprüchen des Grafen von der Mark. Nach altem Herkommen fand die Begegnung der beiden Monarchen zum feierlichen Abschluß der Verträge in Quatrevaux statt. Obwohl Quellen mannigfacher Art von ihr zu berichten wissen, verbirgt doch ein schwer zu durchdringender Schleier die wirklichen Vorgänge unsem Blicken. Ich vermute, die Dinge haben sich, wie folgt, zugetragen: Seit den letzten Novembertagen weilte Albrecht im nahen Toul, sofort begannen die Verhandlungen. Es bestand die Absicht, in einigen Punkten über die Präliminarien noch hinauszugehen, wie denn auch Grenzsteine gesetzt wurden, die die Zugehörigkeit des westlichen Teiles von Bar zu Frankreich dokumentieren sollten. Da aber stieß der Habsburger auf lebhaften Widerspruch in der eigenen Umgebung. Man sprach von drohender dilapidacio et alienatio bonorum imperii und verbreitete wilde Gerüchte von allerlei Projekten, die schon zur Zeit Rudolfs I. die Gemüter bewegt hatten. Zunächst suchte der König den Kölner Erzbischof *, den Führer der Opposition, durch Privilegien zu gewinnen. Als dieser aber noch den Gerhard von Mainz auf seine Seite zog, wich Albrecht einen weiteren Schritt zurück und erneuerte zwei Proteste Rudolfs und Adolfs gegen französische Grenzverletzungen. Vergeblich! Gerhard und Wikbold reisten ab. So wurde denn am 8. Dezember, unter Verzicht auf die Willebriefe der geistlichen Kurfürsten, im wesentlichen nur ratifiziert, was die Vorverhandlungen festgesetzt hatten. 1 Der durch schwere Krankheit am Erscheinen verhinderte Boémund von Trier hatte Wikbold sein Einverständnis wissen lassen.