Historische Blaetter 2. (1921)

Eduard v. Wertheimer: Neues zur Orientpolitik des Grafen Andrássy (1876-1877)

Friedens mit lebhafter Genugtuung begrüße“'. Auch der Zar selbst war voll Freude über die aus seiner eigenen Initiative hervorgegangene Teilnahme8 an der Entrevue, die, nach ihm, zu einer großen öffent­lichen Kundgebung für den Weltfrieden werden sollte3. Zum Erzherzog Wilhelm, der vor der Begegnung der drei Kaiser sein Gast war, sagte der Zar, mit wie großem Vergnügen er daran denke, in Berlin Graf Andrássy kennenzulernen4. Und während bei der Berliner Zu­sammenkunft zwischen Bismarck und Gortschakow, der in seiner Eitelkeit dem deutschen Kanzler dessen überragende Größe neidete, eine ziemlich starke Verstimmung eingetreten war, hatte sich im Gegenteil das Verhältnis Andrássys zu den Russen um so befriedigter gestaltet. „Der Erfolg“ — heißt es in dem Memoir Langenaus — „den Graf Andrássy dort (in Berlin) hatte, war ein überaus glänzender. Sein einnehmendes Wesen, seine offene, Vertrauen erweckende Sprache machten sowohl auf Kaiser Alexander als auf Fürst Gortscha­kow und dessen Begleiter, Baron Jomini und Herrn v. Hamburger, den allervorteilhaftesten Eindruck und oft wurde mir hier (Petersburg) von ihm fast mit Enthusiasmus gesprochen. Er schien eine Art Zauber auf alle diese Herren ausgeübt zu haben, der nur sehr gute Folgen für unsere künftigen Beziehungen haben kann“3. Man machte von russischer Seite kein Hehl daraus, daß mit Dispositionen, wie sie Graf Andrássy in Berlin an den Tag gelegt, bei einigem guten Willen Hoffnung vorhanden sei, Verwicklungen im Orient zu verhin­dern. Diese Annahme war um so begründeter, als Alexander II. im - Sommer 1873 zur Weltausstellung nach Wien kam, wo am 6. Juni zwischen beiden Monarchen ein Übereinkommen getroffen wurde, in dem sie sich gegenseitige Hilfe für den Fall versprachen, wenn sie durch eine auswärtige, Macht angegriffen werden sollten °. Volle Aus­söhnung zwischen den beiden Herrschern fand erst statt, als auch 1 Andrássy an Károlyi in Berlin, Wien, 29. Juli 1872. W. St. A. 8 Es ist unrichtig, wenn Gortschakow meinte: „Der König von Preußen habe die Anregung zur Entrevue gegeben“, Graf Mülinen an Andrássy, Interlaken, 20. August 1872. Gräfl. Andrássysches Archiv. Gortschakow war nicht in Peters­burg, sondern in der Schweiz, als Alexander II. seinen Entschluß faßte. 3 Langenau an Andrássy, Petersburg, 24. Juli 1872. W. St A 4 Idem ad eundem, 30. Juli 1872. Ibidem. 5 Langenau, Mein Wirken als Gesandter. W. St. A. s Felix Rachfahl, Der Rückversicherungsvertrag, in Wirtschaftliches Ar­chiv 1920, S. 27, Anm. 1 sagt, daß 1873 Konventionen zwischen Rußland und Österreich-Ungarn geschlossen wurden, die „uns noch unbekannt“ sind. Richtig ist, daß am 6. Juni in Schönbrunn zwischen Franz Josef I. und Alexander II. eine „Entente“ zustande kam. Von einer militärischen Konvention, die geplant war. ist man jedoch abgegangen. Siehe hierüber Wertheimer, Andrássy, 2. Band. S. 89, und Anmerkungen.

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