Historische Blaetter 2. (1921)
Josef Karl Mayr: Das politische Testament Karls V.
von der von D und I (Verschreibung bestimmter Landeseinkünfte), die uns schon früher innerhalb eines jüngeren Einschubes begegnet ist (vgl. S. 224). Ein solcher liegt wohl auch hier vor; auch der Autor dürfte derselbe sein. Den Ausführungen finanzieller Art reihen sich ausgedehnte Erörterungen über die Fürstendiener an, deren Gedankengang zahlreiche Sprünge aufweistWieder sind es drei Haupttugenden, die sie auszeichnen sollen. Sie zu gewinnen, sei namentlich in Ermangelung eigener Tüchtigkeit ratsam. Nach einem Hinweise auf das Beispiel Justinians kehrt die Voraussetzung geringer persönlicher Fähigkeiten des Fürsten verstärkt wieder3. Der Abschnitt trägt deutlich das Gepräge eines jüngeren Zusatzes: man beachte das Wiederauftauehen einer lehrhaften Dreiteilung3, das völlig veränderte, fast verächtlich klingende Urteil über Philipps Fähigkeiten — um ihn handelt es sich ja doch auch hier —, die Heranziehung Justinians und die unverhohlene Parteinahme zugunsten der Fürstendiener. Der mit T 30/2 beginnende und bis T 32/1 reichende Abschnitt4 — das Thema bleibt unverändert — zeigt mit seinen ruhigen, ungekünstelten Sätzen einen veränderten Charakter; wir haben wohl wieder ein bodenständiges Textstück vor uns5. Die beiden letzten Absätze dieses Abschnittes tragen abschließenden Charakter; man wird also alle folgenden Erörterungen dieses Themas als jüngere Zusätze aufzufassen haben. Sie sind durchaus ungleichartig. Einer ersten Gruppe 6 mit den üblichen antiken Beispielen folgt nach einem kurzen Zwischenspiel7 eine zweite 8, die unter beständigem Zurückgreifen auf die Antike bei auffallender Plattheit des Inhaltes ’ vier Wege zu menschlicher Weisheit erörtert. Wieder schiebt sich ein ähnliches Zwischenspiel10 ein, dem sich eine dritte Gruppe“ anreiht, 1 T 26/2—45/2; D 197. 1—206, 12; I 39—70; vgl. die Textproben E. W. Mayers 1. c. 120, 463 ff. 2 T 26 2—30/1; D 197, 1—199, 11; 1 39-44. 3 Vgl. S. 223. — In I 41 f. (sonst gleich T 28/1 und D 197, 28—198, 7) kehrt dieses beliebte Motiv in einer besonders gequälten Form wieder. • Gleich D 199, 11—200, 7 und I 44—47. 5 Ganz einheitlich scheint auch dieser Abschnitt nicht zu sein; denn T 31/1 (gleich p 199, 28—37 und I 46) zerreißt anscheinend den Gedankengang. — Auch die von T 30/3 (gleich D 199, 19—28 und I 45 f.) angehängte antike Reminiszenz scheint jüngeren Datums. 8 T 32/2—34/1; D 200, 8—201, 30; I 47—51. 7 T 34/2 und 35/1; I 51 f.; in D fehlt es. 8 T 35/2—37/2; D 201, 30—203, 11; I 52—56. 9 Beachte besonders T 37/1 (gleich D 203, 2—5 und I 56)! lu T 37/3 und 37/4 und I 56 f.; in D fehlt es ebenfalls. 11 T 38/1—40/3; D 203, 12—35; I 57—62. D bringt nur noch den Eingang bis T 29/2 (gleich I 59 f.). 225