Historische Blaetter 1. (1921)

August Fournier †: Die europäische Politik von 1812 bis zum ersten Pariser Frieden

Die europäische Politik von 1812 bis zum ersten Pariser Frieden von August Fournier f Vorbemerkung der Redaktion. Unmittelbar nach dem Zusammenbruch der Habsburger Monarchie ging der be­rühmte Napoleon- und Gentzforscher daran, das Fazit seiner Lebensarbeit durch die Ver­fassung der Geschichte des Wiener Kongresses zu ziehen, wozu er wie kein anderer berufen war. Freilich lockte es ihn da vor allem, die historische Parallele zu der Politik und den Friedensverhandlungen zu geben, die den Weltkrieg begleiteten und ab­schlossen. In diesem Sinne hatte Fournier im Juli 1919 einen Aufsatz »Die Pariser Friedenskonferenz von 1814« (»Deutsche Rundschau«) erscheinen lassen; und nun legte er in seiner gewohnt klaren und anschaulichen Weise die ganze europäische Politik seit Napoleons Rückzug aus Rußland bis zum ersten Pariser Frieden dar. Beide Aufsätze zusammen waren für die Kongreßgeschichte als einleitendes Kapitel bestimmt. Der hier vorliegende hat sich im Nachlasse des Verfassers als fertiges Konzept ge­funden und ist das Letzte, was Fournier für sein geplantes Werk zu fördern vermochte, ehe der Tod dem Nimmermüden die Feder aus der Hand nahm. — Für die Redaktion hat Professor Dr. Arnold Winkler (Freiburg i. d. Schweiz), ein Schüler des Verewigten, das Manuskript durchgesehen und die Überschrift des Aufsatzes gewählt. Auf den russischen Feldern wogte im Jahr 1812 der Kampf zweier Weltsysteme wider einander. Das napoleonische Empire, eine Frucht des Ausdehnungsdranges der Revolution, suchte als erobernder Angreifer die letzten Spuren selbständigen politischen Lebens auf dem Kontinent Europas auszulöschen, in der Absicht, allen Staaten des Weltteils das Gebot des Franzosenherrschers zum Gesetz und die Gesetze Frankreichs zur Lebensordnung zu machen, ihnen das gleichmäßige Gepräge der jüngeren Kultur des Westens aufzudrücken und das Festland möglichst hermetisch gegen Britannien abzuschließen. Das aufrecht und unzu­gänglich gebliebene Inselreich, mächtig in seiner teils erkämpften, teils angemaßten Alleinherrschaft über die Meere und Küsten, sollte durch die Unmöglichkeit, den Reichtum seiner Kolonien und seiner über­legenen Industrie auf dem Kontinent zu verwerten, gefügig gemacht werden. Dieses Angriffs, an dem sich notgedrungen auch Österreich und Preußen beteiligten, erwehrte sich Rußland, dessen wirtschaftliche Existenz an der Ausfuhrmöglichkeit seiner reichen Naturprodukte gegen möglichst leichte Zufuhr fremder Industriewaren hing und das deshalb für den Grundsatz staatlicher und nationaler Unabhängigkeit eintrat, der 7 Historische Blätter Q7

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