Historische Blaetter 1. (1921)
Arnold Winkler: Die Korrespondenz des Erzherzogs Johann mit der Staatskanzlei über die Schweizer Sonderbundsfrage
Besinnung bringen dürfte, allein es ist ebenso möglich daß durch diese Maaßregel die Erbitterung gegen jene gesteigert würde, welche man als die Ursache dieser Maaßregel betrachten wird und daß der Entschluß gefaßt würde durch ein schnelles, kräftiges eintreten den Sonderbund zu sprengen, dadurch dem Radicalen Elemente die Regierung aller Theile der Schweitz in die Hände zu spielen eine gleichförmigkeit und Einigkeit zu erzwingen und dadurch die bloquirenden Mächte in die Verlegenheit zu setzen, keinen Grund mehr zu haben die bloquade zu verlängern. Es würde also durch die Maaßregel der Bloquade, den einen nicht geholfen werden, ja die möglichkeit die Sache zu verschlimmern sich ergeben. Eine wirkliche Intervention Wenn die intervenirenden Einverstanden sind, und zu keinem Zwiste führet, würde freilich die Sache am schnellsten Enden, allein sie müßte durch den HülfeRuf der bedrängten bedingt seyn, und sie müste auf eine Art und Weise geschehen welche Friede zur Folge hätte. Es ist dieß keine leichte Aufgabe und verdienet eine nähere Betrachtung. Wenn angenommen wird daß die angränzenden Mächte interveniren sollen, und eine intervention die besetzung des Landes bedinget so wird vor allem Erforderlich daß eine bestimmte Demarcation im voraus fest- gesetzet werde was jeder zu besetzen hat. Meines Erachtens glaube ich folgende angeben zu können. Oesterreich die Cantone Tessin Grau- bündten, die 3 Urkantone mit Zug und Luzern, Glarus. Frankreich Waadt, Bern, Freyburg, Solothurn, Genf. Piemont Wallis. Der Deutsche Bund Basel Stadt und Land, Aargau, Thurgau, Zürch, Appenzell, S. Gallen. Neufchatel als Preussisch Besitzthum bliebe frey. Es würde also die Gränze zwischen Unterwalden und Luzern einerseits, Bern andererseits die Demarcations Linie zwischen Österreich und Frankreich. Das Gebieth des Cantons Basel und Aargau einerseits jenes von Solothurn und Bern anderer Seits die Demarcations Linie zwischen dem Deutschen Bunde und Frankreich bilden. Es ließe sich noch eine modification denken, wenn Frankreich noch die Cantone Basel und einen Theil des Aargaues besezte wodurch das linke Ufer die Begränzung machen würde, allein ich Glaube die erstere Eintheilung ist darum besser weil kein Cantons Gebieth zerissen wird, weil es zu wünschen ist, daß nachdem Genf welches ich lieber Piemont zugewiesen hätte, Frankreich zu besetzen kömmt, Basel dem Deutschen Bunde bliebe. S. Gallen wäre freilich vortheilhafter für Oesterreich — auf jedem Falle müßten die Verbindungen durch diesen Canton Oesterreich zu Gebothe bleiben ohne welche dasselbe keinen Zusammenhang mit den Urkantonen und Luzern hätte93