Historische Blaetter 1. (1921)

Arnold Winkler: Die Korrespondenz des Erzherzogs Johann mit der Staatskanzlei über die Schweizer Sonderbundsfrage

Eine Besetzung bleibet für jedes Land eine Last, eine umso größere wenn dasselbe wenig innere Hülfsquellen besitzet; dieser Fall tritt größtentheils bey jenen Cantonen ein welche Oesterreich zufielen. Da der Zwek der Besetzung kein anderer ist als eines theils. die gefähr­deten zu Schützen anderen theils den Angriff zu hindern, den Frieden zu Erhalten und für die Zukunft zu befestigen, so muß getrachtet werden die Last so wenig drückend als möglich zu machen, und Oesterreich die Herzen des Volkes und aller rechtlich denkenden zuzuwenden. Was die Truppenzahl von Seite Oesterreichs betrifft welche Erforderlich seyn dürfte, halte ich 12000 Mann darum für hinreichend weil man auf die Cantone des Sonderbundes zählen kann, weil die anderen Cantone ebenfalls im Zaume durch die Einschreitenden Mächte gehalten werden, weil die Verbindung mit unserem Italien und dem angränzenden Tyrol und Vorarlberg die Mitteln giebt sollte es nöthig seyn noch mehr schnell hinzubringen, izt es auf keinen Krieg sondern blos auf erhaltung des Friedens ankömmt, weil die Verpflegung in dem hohen Gebürge wohin alles geschaffet werden muß kostbar und schwierig ist. Die Truppen könnten was Tessin aus der Lombardié, was die übrigen betrifft aus den Deutschen Erblanden vorgeschoben werden. Während die besseren Gegenden Luzerns starker zu besetzen sind, so müste man sich für die 3 Urkantone, Zug und Graubündten auf schwächere Truppen Abthei­lungen beschränken, es ließe sich vielleicht mit letzterem Cantone zu dessen Schonung ein Durchmarschübereinkommen treffen und die Be­setzung desselben unterbleiben was nicht wenig dazu beytragen würde die Gemüther zu gewinnen. Ein Theil als Reserve wäre am geeignetsten in dem so genannten March Canton Schwitz in dem Gaster und Sar- gans Canton S. Gallen wohin von Seite Vorarlbergs wo Vorräthe zu sammeln sind der Nachschub leicht begünstiget durch die Strassen und den Wallenstädter See geschehen könnte. Oesterreich bliebe der Vor­theil des Besitzes der wichtigsten Strassen des Gotthardes, des Bern- hardins des Splügens welche die Alpen übersetzen. Eine wichtige Frage aber bleibet. Wer soll die Last der Besetzung tragen, sollen es die be- sezten Cantone oder die intervenirenden Mächte; ohne darüber mit den anderen an die Besetzung theilnehmenden etwas zu bestimmen rathet die Klugheit Oesterreich die ihm treffenden Kosten zu tragen, dann wird die Besetzung keine Last, dann ist es ein freundschaftlicher Bey. stand vorzüglich da Oesterreich jene trifft die Arm sind und welchen geholfen werden soll. Ebenso gebiethet die Klugheit während man ein wachsames Auge auf die Partheyen hat, sich jedes Einflußes, jeder ein- mengung in den CantonalRegierungen und Verwaltungen zu enthalte^ 94

Next

/
Oldalképek
Tartalom