Historische Blaetter 1. (1921)
August Fournier †: Die europäische Politik von 1812 bis zum ersten Pariser Frieden
Feldherr der Donaumonarchie entschlossen, nicht darüber hinauszugehen. Oder doch nicht, bis die Hauptfrage, ob man mit Napoleon über den Frieden verhandeln wolle oder nicht, gelöst war1. Für die Bejahung dieser Frage wußte Metternich außer Hardenberg auch den eben jetzt in Basel angelangten Castlereagh zu gewinnen, die beide von den Enthüllungen nicht minder betroffen waren als er. Und als es dann in Langres zu Besprechungen der drei Minister kam und der Österreicher dem Engländer von den Gefahren sprach, die dem Gleichgewicht Europas durch Rußlands Politik drohten, brauchte er nur noch hinzuzufügen, daß sie auch Österreich zwingen könnten, seine alten Rechte auf die belgischen Niederlande wieder geltend zu machen, um den Lord einem sofortigen Friedensschluß günstig zu stimmen und gegen Alexanders napoleonfeindliche Politik, die ihn verhinderte, einzunehmen. Als dann der Zar seine drei Verbündeten so einmütig sich gegenüber sah, gab er in der Friedensfrage nach und war bereit, mit Napoleon zu verhandeln. Damit hatte er Bernadotte als französischen Herrscher und den Gewaltmarsch auf Paris aufgegeben, vorausgesetzt, daß der Franzosenkaiser die Friedensbasis der »alten Grenzen« annahm. Allerdings sollten die Kriegsoperationen durch die Unterhandlungen nicht unterbrochen werden. Das war ein Erfolg Metternichs. Nur mit einem andern Vorschlag war er gegen Alexander nicht durchgedrungen. Er wollte jetzt nachholen, was in Teplitz versäumt worden war, und warf die Frage auf, ob man nicht auch die territorialen Ansprüche der Verbündeten — damit das Schicksal des Herzogtums Warschau und Sachsens — unter sich zum Gegenstand von Beratungen machen wolle. Hardenberg und Castlereagh wären dazu bereit gewesen; doch darin gab der Zar nicht nach: Dazu werde der Augenblick erst nach Friedensschluß gekommen sein, meinte er, »da ein vorheriges Aufrollen der unterscheidenden Absichten nur die Harmonie unter den Alliierten stören und lähmen würde«. Und da der Preußenkönig seinem Freunde nicht ernstlich entgegenzutreten willens war, zog Metternich in dieser für Österreich wichtigsten Frage, der polnischen, für deren Lösung er gerne die gute Stimmung seiner Kollegen von Preußen und England nutzbaf gemacht hätte, den kürzeren. 127 1 Über den Fall Bernadotte und seine politischen Wirkungen siehe meinen »Kongreß von Chätillon« S. 4 ff. u. 298 ff. — Schon am 22. Dezember 1813 schrieb Graf Münster, der Minister Englands für Hannover, an den Prinzregenten Georg in London über Bernadotte: »L’idée de se faire Roi de France le posséde; ne renversant pas ä ren- verser son ennemi personnel (Napoléon) il voudrait pourtant ne pas combattre les Franjais afin de conserver parmi eux sa popularité rapposée. II ménage ses Suédvis pour se conserver une retraite honorable et parait se soucier peu du sort des autres.« (Archiv Hannover.)