Historische Blaetter 1. (1921)

August Fournier †: Die europäische Politik von 1812 bis zum ersten Pariser Frieden

Aber auch sein Erfolg — daß der Friede mit Napoleon verhandelt wurde — war gefährdet, als eben zur Zeit, da sich Abgesandte der Verbündeten in Chätillon an der Seine mit dem französischen Minister Caulaincourt zu Friedenskonferenzen zusammenfanden, die französische Armee bei La Rothiére (Brienne) Anfang Februar eine schwere Nieder­lage erlitten hatte. Denn im Hauptquartier der Koalition hielt man nun Napoleons Herrscherstellung für erschüttert, sah in ihm keinen zu­reichenden Garanten des Friedens mehr und brach, auf Rußlands eigen­mächtigen Antrag, die kaum noch eröffneten Besprechungen ab, obgleich Caulaincourt bereit gewesen wäre, selbst auf der Basis der Grenzen von 1792 zu verhandeln, wenn man Waffenstillstand schließen wollte. Erst als Napoleon, gegen den sich die Franzosen keineswegs, wie man erwartet hatte, erhoben hatten, aufs neue seine Truppen sammelte, sie von Süden her verstärkte und den durch einen Fehler isolierten Blücher empfindlich schlug, nahm man die Beratungen in Chätillon wieder auf. Nur daß jetzt der Kaiser, von seinen Erfolgen verführt, weit davon ent­fernt blieb, auf der Basis der »alten« Grenzen Frieden zu schließen. Er bestand auf den ihm in Frankfurt angebotenen »natürlichen«, worauf aber wieder die Verbündeten durchaus nicht mehr eingingen. Sie legten ihm einen Präliminarfrieden vor, der außer jener Grenzbestimmung von 1792 noch eine Reihe von Grundsätzen enthielt, über die sie sich bereits untereinander geeinigt hatten und die er anzunehmen hätte. Um sie gegen ihn durchzusetzen, erneuerten sie am 9. März 1814 in Chau- mont ihre Allianzen in einem Vertrag, der jedes Sonderabkommen mit dem Feinde verbot und ihnen die Verpflichtung auferlegte, eine ein­heitlich festgesetzte und geleitete Truppenmacht — 150.000 Mann für jede der vier Großmächte — auf den Beinen zu halten. England sollte überdies fünf Millionen Pfund an Subsidien für das laufende Jahr bei­steuern. Und auch nach dem Friedensschluß sollte jeder der vier Staaten mit 60.000 Mann zur Unterstützung der allenfalls von Frankreich ange­griffenen verbündeten Macht bereit sein, bis die Ordnung des Weltteils dauernd gesichert sei1. Die von den vier Mächten vereinbarten Grundsätze des Präliminar­friedens schrieben Napoleon vor, nicht nur auf alle seine Landerwerbungen außerhalb der französischen Grenze, wie sie zur Zeit der Könige be­standen hatte, sondern auch auf jeden Einfluß auf ihre Neueinrichtung zu verzichten. Er hatte also bloß zur Kenntnis zu nehmen, daß Deutsch­1 Siehe den Vertrag von Chaumont bei Martens, Recueil des traités conclus par la Russie, III. 155 ff. am vollständigsten. Zur Erläuterung: Fournier, Kongreß von Chätillon S. 175 ff. Die Bestimmungen über die Hilfsarmeen von je 60.000 Mann wurden wörtlich aus den Teplitzer Abmachungen herübergenommen.

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