Historische Blaetter 1. (1921)
August Fournier †: Die europäische Politik von 1812 bis zum ersten Pariser Frieden
Frankreichs zu seinen Gunsten stimmen, den Frieden wirklich erlangen oder doch die Alliierten in Verlegenheit setzen können. Er säumte, ging in seiner Antwort auf das Angebot gar nicht ein, sondern wollte nur den Kongreß beschicken und verpaßte damit wieder den Augenblick so wie damals in Prag. Denn die Regierung in London desavouierte hinterher ihren Vertreter und wandte sich gegen das Anerbieten der natürlichen Grenzen ebenso wie gegen das Zugeständnis der Handelsfreiheit zur See. Dieses widerstritt ihrer eifersüchtig gewahrten Alleinherrschaft auf den Ozeanen und jenes einem der wesentlichsten Grundsätze der britischen Außenpolitik. Schon während des Prager Kongresses hatte Lord Castlereagh an den britischen Bevollmächtigten, Lord Cathcart, geschrieben, er möge den Kaiser von Rußland auf die Notwendigkeit aufmerksam machen, daß von den allgemeinen Verhandlungen jede maritime Frage aufs bestimmteste ausgeschlossen (peremptorily excluding) werde, wenn nicht ein Zwiespalt unter den Mächten entstehen solle, auf deren Einigkeit das Heil Europas beruhe. Großbritannien könne zwar vom Kongreß, aber nicht von seinen Rechten zur See (maritime rights) vertrieben werden, und die Kontinentalmächte würden, wenn sie sonst ihr Interesse kennen, das nicht wagen wollen1. Und was den zweiten Punkt betraf, so galt es bereits seit Jahrzehnten der englischen Politik als Richtschnur, die flandrische Küste des Kanals mit Ostende und Antwerpen nicht in den Händen einer aktiven Großmacht zu dulden. Als die junge Republik Frankreich mit ihrem Dekret vom November 1792 allen aufständischen Völkern ihren Schutz versprach, den Belgiern ihre Unterstützung lieh und die vertragsmäßige Scheldesperre anfocht, löste Englands Regierung die Beziehungen zum Konvent, erklärte dessen Verhalten gegen das verbündete Holland, den Einmarsch seiner Truppen in Flandern und Brabant und seine aufwieglerische Agitation in diesen Ländern als Friedensbruch und forderte nach der Hinrichtung Ludwigs XVI. den französischen Gesandten auf, das Land zu verlassen, worauf die französischen Machthaber dem Inselreich den Krieg erklärten. Er brachte England in den Besitz französischer und, als Holland und Spanien sich der Revolution anschlossen, auch niederländischer und spanischer Kolonien, während sein auf die Aushungerung des französischen Festlandes gerichtetes Vorgehen gegen den neutralen Seehandel zu vielfacher Erörterung des Seerechts führte, das die Briten, wie seit jeher, im Sinne ihrer maritimen Vormacht, die keinen Einspruch duldete, auslegten. Nach dem großen Seesieg über die Flotte Napoleons im Jahre 1805 war die Vormacht zur Alleinherrschaft gediehen. In ihrem Besitz 1 Castlereagh, Letters and despatches, IX. 34. 116