Historische Blaetter 1. (1921)

August Fournier †: Die europäische Politik von 1812 bis zum ersten Pariser Frieden

Jänner die Wiener Regierung absichtlich in die Kenntnis jenes kompromittierenden Briefes vom 13. Jänner gelangen lassen, und entzog ihm seine Gnade. Er hatte vorläufig nur das eine politische Ziel, die Unterstützung der Donaumacht für die Weiterführung des Krieges, und wäre es auch durch den Verzicht auf den Alleinbesitz des polnischen Herzogtums, zu gewinnen. Damals war es, wo er sich dem österreichischen Minister erschloß, der bei ihm zu hoher politischer Geltung kam, die selbst den Ein­fluß des Freiherrn vom Stein weit in den Schatten schob und mehrere Monate, bis ans Ende des Jahres vorgehalten hat. Sie sollte sich noch erhöhen, als am 10. August der Waffenstillstand abgelaufen, Metternichs aufrichtige Bemühung, auf einem Kongreß zu Prag den Frieden herzustellen, an Napoleons Widerstand gescheitert und der Wiener Hof mit unerwartet großen militärischen Kräften Preußen und Rußland zur Seite getreten war. Nur daß Metternich,, ein sehr selbstbewußter und etwas leichthin urteilender Mann, seinen Einfluß auf Alexander für unerschütterlich hielt, sollte sich späterhin empfindlich rächen1. Daß sein Einfluß nicht so maßlos war, zeigte sich alsbalde. Am 9. September, nachdem der Krieg aufs neue in Gang gekommen war, schloß sich die Waffenbrüderschaft der drei Mächte zu einer schrift­lich niedergelegten Allianz zusammen. Sie hatte in den Tagen der verlorenen Dresdner Schlacht (26. und 27. August) und unmittelbar 107 1 Bezeichnend für Metternichs Überzeugung von seinem uneingeschränkten Einfluß ist, was er darüber an die Amtsträger seines Ressorts schreibt. Am 16. August 1813 an den ersten Staatsrat Hudelist: »Mit dem Kaiser Alexander bin ich sehr zufrieden, und ich werde in weniger als vierzehn Tagen das russische Kabinett ebensosehr leiten, wie das österreichische, ein Umstand, welcher in den gegenwärtigen Verhältnissen von der größten Wichtigkeit ist.« Am 6. Oktober: »Der Unterschied zwischen der Lage der Kabinette ist der, daß Rußland Preußen nach Gefallen leitet und daß wir Rußland leiten wollen und leiten werden.« Von Gentz über Österreichs Haltung gegenüber den Serben befragt, deren Empörung gegen die türkische Herrschaft von Rußland während seines Krieges mit der Pforte unterstützt, nach dem Friedenschluß von 1812 aber im Stich gelassen worden war, antwortete Metternich, wie Gentz es an den Hospodar der Walachei ..weitergibt: daß die Integrität der Türkei ein Fundamentalsatz seines Systems und Österreichs gegenwärtige Stellung zu Rußland imstande sei, dieses von jedem etwa geplanten Schritt gegen die Pforte zugunsten Serbiens zurückzuhalten. Er halte es sogar für möglich, »daß die persönliche Loyalität des K. Alexander und die außerordentliche Mäßigung seines Kabinetts in Verbindung mit dem Einfluß der Ratschläge und Vorstellungen Österreichs, es gestatten werde, sich Hoffnungen hin­zugeben, die in jeder andern Konjunktur als der heutigen selbst auszusprechen chi­märisch gewesen wäre.« (Herausgabe Bessarabiens an die Pforte?) Metternich, fährt Gentz fort, befinde sich tatsächlich an der Spitze der großen Allianz und genieße eines unumschränkten Kredits, insbesondere beim russischen Kaiser, »der ihn als den Zen­tralpunkt aller wichtigen Operationen betrachte und ihn in allen Fragen von Gewicht zu Rate ziehe, wie er es nur mit seinem eigenen Minister tun konnte«. (Konzept eines noch unveröffentlichten Briefes an Karadja vom 9. Oktober 1813.)

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