Pester Lloyd-Kalender 1860 (Pest, 1860)

Pester Lloyd-Kalender für das Schalt-Jahr 1860 - Geschichte des Jahres

122 Geschichte des Jahres. chung seiner festen Stellung an der Einmündung des Ticino in den Po zu verlocken. Nnr zu bald sollte er enttäuscht werden. In den letzten Tagen des Mai noch räumte Napoleon das piemontesische Festungsdreieck und übersiedelte das ganze Gros sei­ner Armee mit Hilfe der Eisenbahnen nach der Sesta : während die Piemontesen, hinter deren Rücken diese Operation vor sich ging, dieselbe durch eine heftige Vorwärtsbewegung von Vercelli aus maskirten, wo­bei ein Theil des Canrobert'schen Korps sie unter­stützte. Hier war der linke österreichische Flügel in den Dörfern P a l e st r o, Vinzaglio und Consienza viel zu schwach, um den drei sardinischen Divisionen, die am 30. Mai jene Ortschaften angriffen, mit Erfolg die Stirne bieten zu können. Ein Versuch, die verlorenen Ortschaften am 31. zurückzuerobern hatte, da nun auch Zuavenregimenter und andere Truppen Canroberts in's Feuer kamen, keinen bes­sern Ausgang: bei ihrem Rückzuge wurden die zahl­reichen Kanäle, in denen viele von ihnen aus Man­gel an Ortskenntniß ertranken, den Oesterreichern noch insbesondere verderblich. Die Verbündeten ga­ben ihren Verlust auf 700 Mann an; der österrei­chische betrug, nach den offiziellen Berichten 522 Todte, 902 Verwundete und 786 Vermißte. Jetzt endlich räumte Gyulai den Flußwinkel bei Pavia und ordnete den Rückzug hinter den Tessin an. Am 1. Juni hatte er drei Heerkörper in dem Bogen Ca- stel d'Agogna, Robbio und Vespolate vor Mortara beisammen: aber die Franzosen setzten ihre Bewe­gung mit energischer Schnelligkeit fort. Am 2. Juni schlug eine Division der kaiserlichen Garde bei Tur- bigo, wo sich nicht ein Feind sehen ließ, drei Brücken; an demselben Tage ging General Espinasse, die Brücke von Buffalora bedrohend, bis Trecate vor. Graf Gyulai ordnete seine Truppen so, daß alle Ab­theilungen Abbiate graffo zum Zielpunkte nehmen sollten. Inder Stellung von M ag e n t a hatteer nicht mehr als 20,000 Mann, von denen 7000 den so eben aus Deutschland eingetroffenen Truppen des Grafen Clam Gastas angehörten. Als nächste Re­serve dieses ausgesetzten Heertheilö diente die Divi-- sion Reischach in Corbetto, während eine zweite Di­vision in Castelletto, anderthalb Meilen weiter, und in Abbiate graffo der dritte Heerkörper (Schwarzen­berg) stand. Der fünfte Heerkörper (Stadion) hatte Abbiate graffo noch nicht erreicht, auf den achten und neunten Heerkörper (Benedeck und Schaffgotsche) die den weiten Weg von Bestazzo und Pavia zurückzu­legen hatten, war nicht vor dem Mittag des 4. zu rechnen. Ueberdies hatte der Rückzug die Heerver­waltung in Unordnung gebracht. Für Lebensmittel war so schlecht gesorgt worden, daß viele der Solda­ten, die am 4. Juni in's Feuer gingen, seit sechs­unddreißig Stunden nichts gegessen hatten. Als die Brücken von Buffalora und von Ponte Nuovo di Magenta gesprengt werden sollten, hatte man kein ! Pu lver. Man telegraphirte nach Mailand, und von dort kam die Antwort, es sei keines vorhanden. Am 4. Juni eröffnete sich der Kampf an mehreren Punk­ten zugleich. Der erste und zweite österreichische Heerkörper (Clam-Gallas und Lichtenstein), die beide nicht einmal in ihrer vollen Stärke waren, mußten den heftigen Anprall der feindlichen Hauptmacht in Buffalora und Ponte di Magenta einen halben Tag lang aushalten. Die beiden Orte wurden von den Gardegrenadieren und den Zuaven erstürmt, verlo­ren und wiedergenommen. Um Mittag sahen sich die Oefterreicher genöthigt, dieselben auszugeben, da auf ihrer Seite die nemltchen Truppen im Gefecht blie­ben, während der Kaiser der Franzosen, der ihnen gegenüberftand, die Truppen der Brigade Picard und der Divisionen Vinoy, Renault und Trochu zu­geführt erhielt. Der fernere Kampf drehte sich um den Besitz des Dorfes Magenta. Hier nun trat, nachdem die Oefterreicher die von Napoleon kvmman- dirten Garden in ein arges Gedränge gebracht, die Wendung ein, die über das Schicksal des Tags entschied. General Mac Mahon kam, von Turbigo vordringend, den Oesterreichern in die Flanke und in den Rücken. Als die Letzteren endlich weichen mußten, machten sie das Stationshaus der Eisenbahn und das Dorf zu ihren Stützpunkten ; jedes einzelne Haus wurde zur Festung: erst 8 Uhr Abends kam Magenta in den unbestrittenen Besitz Mac Mahon's. Am 5. blieben die Franzosen in ihren Stellungen, weitste, wie der Kaiser in seinem telegraphischen Bericht an die Kaiserin sagt, der Ruhe und der Reorganisation bedurften. Graf Gyulai wollte, wie er in seiner Darstellung der Schlacht erklärt, den Kampf erneuern, als ihm gemeldet wurde, daß das 1. und 2. Armeekorps, welche am Tage vorher am meisten gelitten hatten, zurückgegangen seien und wegen ihrer Entfernung am Gefecht keinen Aniheil zu nehmen vermöchten. Unter solchen Umständen habe er die noch kampfbereiten Truppen zur Deckung der übrigen unberührt erhalten müssen und den Rückzug angeordnet, zu dessen Sicherung das Regft ment Großherzog von Hessen einen letzten Angriff auf Magenta machte, worauf die anbefohlene Bewe­gung, vom Feinde unbeläftigt begann. Die Franzo­sen haben ihre Verluste bei Magenta auf 52 todte, 194 verwundete Offiziere, 512 todte, 2951 ver­wundete und 735 vermißte Soldaten ; die Oesterrei­cher auf 63 todte, 218 verwundete Offiziere, 1302 todte, 4130 verwundete und 4000 vermißte Solda­ten angegeben. Auf österreichischer Seite fiel kein General, aber drei, Reischach, Lebzeltern und Dür- feld, wurden verwundet. Auf französischer Seite fielen die Generale Clerc und Espinasse, welcher letz­tere von einer Kanonenkugel in zwei Stücke zerissen wurde, und die Generale Wimpffen und Martimprey erhielten Wunden. Trophäen wurden auf beiden Seiten wenig erbeutet, von den Franzosen zwei

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