Pester Lloyd-Kalender 1859 (Pest)

Pester Lloyd-Kalender für das Jahr 1859 - Revue von Pest-Ofen 1858

Revüe von Pest-Ofen. 57 blickt mit ihrer Hauptfronte gegen die Herbstgasse. Die eigentliche Reitschule bildet ein längliches Viereck, das 30' lang und 12' breit ist, mithin einen Flächen- raum von 360 Quadratklaftern besitzt. Vorläufig ist sie nur mit einer Schießstätte verbunden, aber nach und nach sollen die verschiedenen Zweige des Sport ihre Berücksichtigung finden und der körperlichen Pflege der Heranwachsenden Generation auch durch gymnastische Uebung und Fechtunterricht Rechnung getragen werden. Das Gebäude für den Fechtsaal, in welches auch die Wohnungen der Beamten unterge­bracht werden, ist bereits in der Errichtung begriffen. Der Reitunterricht wird von Herrn S z a t h m á r y ertheilt. Die Unterrichtsstunden sind für Schüler männlichen Geschlechts von 10—12 Uhr Vormittags und von 1—2 Uhr Nachmittags, für Damen von 12—1 Uhr Nachmittags. Von 2—4 Uhr wird die Reitschule ausschließlich von den Gründern in An­spruch genommen. Der Josefsplatz ward Ende März mit einer Parkanlage versehen,und raschaufschießendes Strauch­werk und Wiesengrund binden den Flugsand, der bei bewegter Luft die Passage dieses Platzes so unbequem machte. Die Mitte des Parks wird das Erzherzog Josefsmonument zieren. Für die Errichtung die­ses Monumentes waren von einer bereits früher statt- - gehabten Subscription 27,000 fl. vorhanden, und da ein kaiserliches Handbillet d. d. Ofen, 9. Mai 1857, die Deckung der etwa noch fehlenden Beträge aus­sprach, konnte der Plan des Bildhauers Halbig in München angenommen werden, dessen Ausführung 40,000 fl. in Anspruch nehmen wird. Zur Besich­tigung des Modells begaben sich im August d. I. die HH. Bürgermeister v. Conrad, Gemeinderath Perger und Maler Barabas nach München. Das Werk Hal- bigs ist eine Fußstatue und wird den verewigten Pa- latinus im Kostüm des Stephansordens darstellen. Der Pester Bahnhof. Da Pest den Kno­tenpunkt des südöstlichen Eisenbahnnetzes bildet, so hat auch der hiesige Bahnhof, das Centrum eines ausgedehnten Betriebes, bereits einen Umfang gewon­nen , daß er den Vergleich mit keinem Bahnhofe der Monarchie zu scheuen braucht, und es gilt dieß nicht nicht nur in Bezug auf die Ausdehnung, sondern auch bezüglich der allenthalben herrschenden Eleganz und Bequemlichkeit. Die Liste der int Jahre 1856 begon­nenen und im laufenden Jahre beendeten Hochbauten gestattet den besten Einblick in die grandiose Anlage des hiesigen Bahnhofes. Abgerechnet von den Grund- ■ stücken, welche für die Erweiterung des Bahnhofes acquirirt werden mußten, haben diese Neubauten eine Totalsumme von 779,600 fl. in Anspruch genommen. Es wurden nämlich für 20,000 fl. in der Personen­halle bequeme Perrons hergestellt, eine elegante Re­stauration sammt Wartesälen, ein Kaisersalon einge­richtet und die Gasbeleuchtung im Restaurationslokale eingeführt. Die Aufführung der abgebrannten Wa­genbauwerkstätte sammt neuem Zubau auf einem Flä­chenraume von 770% Quadratklaftern geschah mit einem Kostenaufwande von 59,000 fl., der Neubau der Kesselschmiede in einem Umfange von 435 Qua­dratklaftern kostete 50,000 fl., der Neubau von zwei Lokomotivremisen auf einem Areale von 612 Qua- dratklaftern 84,000 fl., die Wasserabzugskanäle sammt Herstellung der Wasserleitung zu den erwähnten Re, misen 45,000 fl. Ferner wurde der Neubau einer Kesselschmiede und die Herstellung von Schmiedefeuern auf einem Flächenraume von 80 Quadratklaftern und mit einem Kostenaufwande von 11,000 fl. vorgenom­men, der einen Flächeninhalt von 159% Quadrat­klaftern einehmende Kohlenschoppen kostete 7000 fl., die halbrunde 558 Quadratklafter große Lokomotiv- remise 76,000 fl., die Adaptirung der Lokomotivmon- tirung nahm sammt Zubau einen Kostenaufwand von 60,000 fl. in Anspruch, und es dehnen sich diese Bau­lichkeiten auf einen Flächenraum von 836 Quadrat­klaftern aus; noch größer, nämlich 874 Quadrat­klafter ist die Schmiede sammt den dazu gehörigen Annexen, deren Herstellung 144,000 fl. kostete. Die Wagenbauwerkstätte sammt dem Magazinsanbau ko­stete 58,000 fl. und nimmt 477 Quadratklafter ein, das neugebaute Materialmagazin ist 201 Quadrat­klafter groß und kostete 30,000 fl. Schließlich wurden noch ein Dampfmaschinenhaus an der Donau, ein Wasserreservoirgebäude am Bahnhof sammt Röhren- leitung für 42,000 fl. an den Drehscheiben Ver­änderungen für 4000 fl. hergestellt, so wie die Erdanschüttungen hinter dem Kohlenschoppen, der halbrunden Lokomotivremise, der Schmiede und dem Frachtenmagazin 58,600 fl. und die Demolirung und Adaptirung der eingekösten Gebäude einen Kosten­aufwand von 26,000 fl. in Anspruch nahmen. Diesen ausgedehnten Anlagen, welche den hiesi­gen Bahnhof zu einem der colossalsten in Europa ge­stalten, werden sich demnächst noch mehrere Neubauten anreihen. So wird noch die Adaptirung der Haupt­werkstätte vorgenommen, ein äußerer Bahnhof bei Pest sammt einer kürzeren Verbindungslinie der Pest- Preßburger und Pest-Szegediner Linie hergestellt, ein Administrationsgebäude und 6 neue Frachtmagazine errichtet, und die Gasbeleuchtung, welche bisher int eleganten Restaurationslokale eingeführt ist, auf die gesammten Räumlichkeiten ausgedehnt werden. Das Pester Gaswerk hat sich während der kurzen Zeit seines Bestandes bedeutend ausgedehnt. Mit 9986 Flammen vor etwa 1% Jahren eröffnet, versorgt es gegenwärtig deren 13,335, für welche in 12 Monaten 71 Millionen Kubikfuß Gas erzeugt wurden. Als ein Beleg für den steigenden Gaskon­sum diene der Umstand, daß München trotz der im ganzen Umfange der Stadt eingeführten Beleuchtung

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