Pester Lloyd-Kalender 1859 (Pest)

Pester Lloyd-Kalender für das Jahr 1859 - Revue von Pest-Ofen 1858

und nach zehnjährigem Bestände im vorletzten Jahre nur 31 Mill. Kubikfuß produzirte, und in Prag nach 12 Jahren der höchste Konsum in einem Tage nicht 200.000 Kubikfuß erreicht., während Pest bis 345.000 Kubikfuß in einem Tage konsumirt, trotz­dem ist der Bedarf von Gas noch fortwährend so im Steigen, daß bereits nach noch nicht zweijährigem Bestände der Bau eines dritten Gasometers von 100.000 Kubikfuß Gehalt nöthig wurde. Verschie­denen störenden Ursachen, die aber sämmtlich nur vor­übergehender Natur waren, und meistens schon besei­tigt sind, ist es zuzuschreiben, daß in diesem Jahre trotz des großen Konsums der Ueberschuß für die Ak­tionäre nur ein verhältnißmäßig kleiner gewesen ist. In der Schwesterftadt Ofen wurde das Projekt der Gasbeleuchtung auch in diesem Jahre nicht verwirk­licht ; da bei der minder dichten Bevölkerung eine weitausgedehnte Röhrenlegung erforderlich wäre, zu der der Gaskonsum in keinem entsprechenden Verhält­nisse stünde, so würde sich die Einrichtung eines Gaswerkes für Ofen minder vortheilhaft gestalten als in Städten, wo die höhergebauten Häuser ein dichtes Zusammenleben der Bevölkerung bedingen. Der Reupester Hafen mit einem Aufwande von 500,000 fl. gebaut, konnte bereits im Dezember 1857 der Schifffahrt übergeben werden, obgleich die Einrichtung des Hafens noch nicht ganz vollen­det ist. Das Realschulgebäude in Ofen am 23. Mai 1857 in Ofen begonnen, blickt mit seinen be­reits über die zweite Etage hinansragenden Mauern stolz vom jenseitigen Donauufer herüber. Der auf einem Areale von 1100 Quadratklaftern nach den Regeln des gothischen -Styles auszuführende Rohbau erhebt sich am Abhange der Wasserstadt und ist somit gegen die Donau um eine Etage höher als gegen die Festung. Die vordere Donanfront ruht auf einem Unterbau aus Sandstein, das mittlere zurückbleibende Kompartiment wird von zwei vorspringenden vierecki­gen Vorbauten flanquirt. In der Mitte reicht von der ersten Etage bis zum Dachftuhle ein kapellenarti­ger auf einem Sandsteinkegel ruhender Vorsprung, der die horizontale Linie des Dachgesimses in geschmack­voller Weise unterbricht. Ueberhaupt entspricht das ganze Gebäude durch einen reichen Wechsel der Linien interessant zu werden. Die rückwärtige Facade wird von zwei runden Anbauten flanquirt. Die Höhe der Mauern, die sich ans rothen und gelben Ziegellagen zusammensetzen, beträgt 9', die Länge des Gebäudes 28'. Das von Professor Petschnigg begonnene und vom hiesigen Architekten Discher weitergeführte Ge­bäude wird gewiß zu den hervorragendsten architek­tonischen Zierden von Ofen gehören und da es durch seine erhöhte Lage weit über die Häuser der Ofner Donauzeile hinausragt, wird es auch vom Pester User betrachtet einen interessanten Anblick gewähren. Der Donauwafserfiltrirapparat in Ofen ist bereits im Laufe des Monats Februar fertig ge­worden, und die Bewohner der Festung können sich nun des Genusses von reingeklärtem Donauwasser erfreuen. Hingegen schritt das Projekt eines Wasser­werkes für Pest auch in diesem Jahre nicht seiner Verwirklichung entgegen, obgleich eine Wasserleitung zu den dringendsten Bedürfnissen der Hauptstadt ge­hört. Mit Ausnahme des Eliasbrunnens im Ludo- vicum, dessen Wasser in jedem Pfund nur 4 Gran fixer Bestandtheile enthält, bieten die Meisten unserer Brunnen nur ein wenig genießbares Getränk, da das Wasser derselben in 32 Loth mit 10 bis 20 Gran fixer Bestandtheile gemengt ist. Die Schiffswerfte in Altofen beschäftigt sich gegenwärtig, nachdem die projektirten Neubauten in ihrer Gesammtheit vollendet sind, mit bedeutend vermindertem Arbeiterstande nur mehr mit der jewei­lig erforderlichen Reparatur der 100 Dampfboote, 18 Propeller und 500 Schleppschiffe, so wie mit der Erzeugung und Herstellung der verschiedenen zur Ansrüstung der Schiffe und Agentien gehörigen Ob­jekte. Anstatt des ungenügenden aus Floßholz zu­sammengesetzten und mit einem Geländer versehenen Steges, welcher das Altofner Ufer mit der Werftinsel verband, wurde int Laufe dieses Jahres eine Brücke hergestellt, die mit den großartigen Anlagen des Etablissements in würdigerem Einklänge steht. Die Brücke, welche am 4. Oktober in feierlicher Weise er­öffnet wurde, ist eine von dem Architekten P r o c o p p nach einem bisher noch nicht in Anwendung gebrach­ten Systeme, gebaute Rollbrücke. Sie ruht auf vier starken dem Eisgänge Trotz bietenden hölzernen Jochen und kann mittelst zweier Winden, die an jeder Seite angebracht sind, ohne Mühe nach den beiden Usern gerollt werden, um Mühlen und Schiffen den Durchgang zu gewähren, oder bei herannahender Wasser- oder Eisgesahr einer etwaigen Beschädigung auszuweichen. Die Landesirrenanstalt in Ofen. Ein kai­serliches Handbillet d. d. Ofen, 9. Mai 1857 wies für diese auf dem Leopoldiselde zu errichtende großar- tige Anstalt die Summe von 300,000 fl. an. Im Laufe d. I. sind die Konkursbauprojekte eingegangen, dieselben waren jedoch nicht in allen Stücken befrie­digend, so daß sich das Beurtheilungskomitäe bewogen fand, keinem einzigen der concurrirenden Architekten hen ersten Preis zuzuerkennen. Den zweiten Preis (2000 fl.) erhielt ein von den HH. Karl Pürschel, Friedrich Tesar und Josef Dworzak gemeinsam aus­gearbeiteter Plan, den dritten Preis (1000 fl.) das

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